Wie wird der Jahrgang 2006? Ein Gespräch mit Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz.
Was dürfen sich Weintrinker vom Jahrgang 2006 erwarten?
Er ist im Grunde genommen bereits im Keller. Wir hatten in diesem Jahr den schnellsten Herbst aller Zeiten. Das lag daran, dass wir insbesondere während der Lese einige Niederschläge in die vollreifen Trauben bekommen haben. Dadurch mussten diese so schnell als möglich in die Keller gebracht werden. Das war eine große Besonderheit dieses Jahrgangs. Die Winzer mussten das, was sie normalerweise in sechs Wochen leisten, in drei Wochen schaffen. Da wurde Tag und Nacht und das Wochenende hindurch gearbeitet.
Wie wirkten sich denn der heiße Juni und Juli und der verregnete August aus?
Der Regen war Gold wert. Die Hitze hatte ja eine große Trockenheit zur Folge gehabt. Und dementsprechend mussten die Winzer im Juli ihre Beregnungsanlagen anwerfen, die sie wegen des Klimawandels immer öfter brauchen. Viele Betriebe stellen sich inzwischen auf trockene, heiße Sommer ein.
Konnte der Wein vom milden Herbst profitieren?
Man muss differenzieren. Die starken Niederschläge ereigneten sich im Süden Deutschlands, in Baden-Württemberg und in der Pfalz. Mosel und Mittelrhein oder Sachsen, Saale-Unstrut, waren nicht so stark davon betroffen. Das schöne Herbstwetter im Oktober führte etwa an der Mosel dazu, dass sehr viele edelsüße Spezialitäten geerntet werden konnten, Beerenauslesen, für die ja die Deutschen weltweit berühmt sind.
Glauben Sie, dass die deutschen Winzer wegen des Klimawandels bald auf andere Reben umstellen müssen, auf Grenache oder Tempranillo?
Das ist eine schwierige Frage. Wir haben ja jetzt auch schon Cabernet Sauvignon und Merlot in Deutschland stehen. Es ist ein schleichender Prozess. Zurzeit profitieren wir von den stabilen klimatischen Verhältnissen im Sommer. Vor 20, 30 Jahren gab es ja immer wieder mal Jahre, in denen die Traubenreife kritisch war. Seit 2001 hatten wir nur Bombenjahre. Wir haben mittlerweile schöne gehaltvolle Weine, die aber auch diese frische Fruchtsäure mitbringen. Und die ist in diesem Jahr wieder schön ausgeprägt.
interview: stefan wirner