Er war für die Hauptrolle in »Terminator« im Gespräch, doch der Regisseur James Cameron befand, es sei unglaubwürdig, wenn »ein so netter Kerl wie O. J. einen rücksichtslosen Killer spielt«. Geeigneter schien der ehemalige Footballstar O. J. Simpson für Komödien wie »Die nackte Kanone«. Bis er im Jahr 1994 nach einer Verfolgungsjagd unter Mordverdacht verhaftet wurde.
Simpson bestritt nie, dass er Nicole Brown Simpson während der Ehe geschlagen hatte. Zahlreiche Indizien sprachen dafür, dass er zwei Jahre nach der Trennung sie und ihren Freund Ronald Goldman ermordete. Doch es kamen Zweifel an der Ermittlungsarbeit der für ihren Rassismus berüchtigten Polizei von Los Angeles auf. Den Ausschlag für den Freispruch gab wohl ein Handschuh, den Simpson zur Tatzeit getragen haben soll, der ihm jedoch nicht passte.
Es war Simpsons spektakulärste Rolle. Die Liveübertragung des Finalspiels der National Basketball Association wurde unterbrochen, um seine Flucht vor der Polizei zu zeigen, und mehr als die Hälfte der US-Amerikaner verfolgte die Urteilsverkündung im Fernsehen. Doch aus Hollywood bekam Simpson keine Rollenangebote mehr, obwohl er den Bösewicht inzwischen glaubwürdiger hätte verkörpern können.
Ein Zivilgericht kam im Jahr 1997 zu dem Schluss, Simpson sei für den Tod Browns und Goldmans verantwortlich und müsse deren Angehörigen 33,5 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen. Eine Wiederaufnahme des Strafprozesses ist jedoch nach US-Recht nicht möglich. Simpson hat also wenig zu befürchten, selbst wenn er in seinem Buch »If I Did It« (Wenn ich es getan hätte) Insiderwissen preisgibt, über das nur der Täter verfügen kann. »Ich betrachte es als sein Geständnis«, sagte seine Verlegerin Judith Regan, eine Aussage, die allerdings auch der Verkaufsförderung für das am 30. November erscheinende Buch dienen könnte. Unklar ist noch, ob die Feuilletonredakteure es unter »Fiction« oder »Nonfiction« einordnen werden.
jörn schulz