06.12.2006

LeserInnenworld

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Zuschriften bitte an: briefe@jungle-world.com oder per Post an die Redaktion.

Jungle World, 44/06: Pam, nimm mich! und 47/06: Meldungen

Unbewusste Antisemiten, Rassisten, Sexisten etc.

Ein Mensch verlässt den Kinosaal, in dem gerade »Borat« läuft, vorzeitig und wird aus dem Publikum lachend mit den Worten verabschiedet: »Ah, der erste Jude geht schon!« In der Jungle World wird der Film erst in den höchsten Tönen gelobt, dann wird dieses Lob nicht nur nochmals bestätigt, sondern zugleich einer kritischen Diskussion krampfhaft mit einer Schlussstrichhaltung begegnet. »Und basta. Wer das anders sieht, hat ganz einfach Unrecht.«

Warum das? Ganz einfach: Der Film bedient nicht nur Antisemiten, Sexisten, Rassisten, Homophobe etc., sondern auch jene, die von sich behaupten, gegen erstgenannte zu sein, da der Film ja angeblich so schön deren Einstellungen entlarve. Und selbst der eine oder andere sich als »links« Bezeichnende befriedigt mit dem Film vielleicht einfach nur den (unbewussten?) Antisemiten, Rassisten, Sexisten, Schwulenhasser etc. in sich.

robert weber

Jungle World, 46/06: Der Mainstream-Nazi

The world behind Jungle World

In der world behind Jungle World haben wir kollektiv eine Kurzgeschichte verfasst,die heißt »Mario und das Krisenvieh«. Der Artikel von Mario Möller ist eine Übung in »Analogien erkennen« und keine Analyse. Er ist so, als gäbe es zwei Methoden, Kohl zu verarbeiten, und es stünde einmal Küchengerät und einmal Dosenkohl zur Verfügung, und Möller nimmt Dosenkohl. Niemand weiß, warum.

Autoritär ist der Realsozialismus seit der Niederschlagung des Prager Frühlings sowieso, aber er ist nicht Nationalsozialismus.

1989 ist nicht das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, sondern das Ende der DDR. Wessis nehmen nicht im ostdeutschen Antisemitismus die Strukturposition des »Juden« ein, das ist Abstraktmüll. So abstrakt ist der Kapitalismus nicht, nur unbegriffen, und auch Juden haben eine kollektive Geschichte, oder nicht?

wbjw

Jungle World, 42/06: Thema

Präventiv bezahlen

Ich bin für Studiengebühren – wer in Zukunft Menschen beherrschen, unterdrücken und ausbeuten oder wegsanieren will (ob als Lehrer, Psychologe oder Unternehmensberater), soll dafür bezahlen – da in den nächsten zehn Jahren wohl nicht mit einer sozialen Revolution zu rechnen ist.

Repräsentative Demokratie ist die Diktatur des Bürgers – künftige Eliten in die Fischfabrik!

wilfried hoog, köln