13.12.2006

Dithmarschen bleibt!

raucherecke

Die Kommunalpolitiker der beiden Dithmarscher Gemeinden Eddelak (1 463 Einwohner) und Kuden (670 Einwohner) sind bislang nicht durch besondere Renitenz aufgefallen. Doch seit die Große Koa­lition in Schleswig-Holstein eine Kreisgebietsreform plant und den Kreis Dithmarschen einem neu zugeschnittenen Großkreis zuschlagen will, gehen sie bis zum Äußersten. Seit November löst sich ein Ortsverband nach dem anderen auf, sogar vom Parteiensterben war bereits die Rede.

Den Anfang machte die SPD in Eddelak. Neben der allgemeinen poli­tischen Unzufriedenheit machte der Vorsitzende Axel Theißen die Kom­munalreform für den Frust der Genossen verantwortlich. Mit der von Innenminister Ralf Stegner (SPD) geplanten Fusion würde seiner Gemeinde viel Geld gestrichen. Trotzig erklärte Theißen der Presse: »Die Sache steht fest: Ganz geordnet lösen wir unseren Ortsverein auf – mit Vorstands­entlastung und geprüftem Kassenbuch. So wie sich das gehört.«

Ganz ähnlich hält es auch der CDU-Orts­verband von Kuden. Einen einstimmigen Beschluss habe es gegeben, teilte der Vorsitzende, Klaus-Dieter Gäthje, mit, der auch das Amt des Bürgermeisters bekleidet. Der Landwirt warf seiner Partei vor, mit der Kreisreform die SPD links zu überholen. In anderen Regionen des Bundeslandes drohen ebenfalls Konflikte nicht absehbaren Ausmaßes. Thors­ten Pfahler, der Vorsitzende des »Verbandes von Brunsbüttel«, erklärte mögliche ethnische Konflikte: »Als Süderdithmarscher haben wir eher eine Beziehung zu Steinburg als zu Norderdithmarschen.«

Unterschätzt werden die Folgen der Pläne der schleswig-holsteinischen Landesregierung dagegen derzeit offenbar noch in Lunden bei Tönning. »Wer in Wedel wohnt, dem ist Lunden egal«, warnte der Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Land­kreistags, Jan-Christian Erps. Dithmarschens CDU-Kreisvorsitzender Timm Hollmann befürchtet Schlimmes. »Wie soll ein ehrenamtlicher Kreispräsident künftig noch 90. Geburtstage in Lunden und Pinneberg besuchen können?« fragte er. Wirkliche Hoffnung verbreitete nur Dietrich Stein, der Vorsitzende des Vereins für Dithmarscher Landeskunde. Er versprach: »Dith­marschen kann man nicht einfach wegreformieren.«

andreas blechschmidt