Die Hizbollah zeigt sich fest entschlossen, die Lage im Libanon zu verschärfen. Am Sonntag führte sie eine Demonstration von Hunderttausenden Menschen im Zentrum von Beirut an, auf der der Rücktritt von Ministerpräsident Fuad Siniora gefordert wurde. Die Bewegung, die von Syrien und dem Iran unterstützt wird, hat die Einrichtung einer Regierung der nationalen Einheit zum Ziel. Darin sollen die prosyrischen Kräfte um die Hizbollah und um den christlichen General Michel Aoun de facto ein Vetorecht haben. Dieser drohte am Wochenende mit der Ausrufung einer Übergangsregierung, sollte Siniora nicht zurücktreten.
Der stellvertretende Generalsekretär der Hizbollah, Sheikh Naim Kasim, warf auf der Kundgebung der libanesischen Regierung vor: »Ihr habt eine Sünde begangen und das Land zerstört.« Eine ungewöhnliche Sicht der Dinge, wenn man bedenkt, dass die Hizbollah mit der Entführung zweier israelischer Soldaten und dem Beschuss von israelischen Dörfern mit Katjuscha-Raketen den Libanon-Krieg im Sommer mit ausgelöst hat. Kasim beschuldigte Siniora, das Land den amerikanischen Interessen zu unterwerfen, und meinte weiter: »Jetzt gibt es keinen Platz mehr für Amerika im Libanon.« Zu einem Generalstreik, von dem die der Hizbollah nahe stehende Zeitung El Achbar gesprochen hatte, kam es am Montag indes nicht.
stefan wirner