Eine der bereits in den Achtzigern zu einer gewissen Popularität gelangten Formationen, die schon in der DDR wegweisende Popmusik fabriziert haben, war die Band Ornament und Verbrechen um die Gebrüder Lippok, die in den Neunzigern mit den Bands Tarwater und To Rococo Rot Aufmerksamkeit erregten. Das Besondere am melancholischen und feinsinnigen Instrumental-Ambient-Pop von To Rococo Rot ist das ganz und gar Hypnotische. Mit ihren repetitiven, stets neu variierten und vertrackten Soundschleifen, ihrem fein abgestimmten Elektrogequackel und -gebratzel und der ihr innewohnenden tiefen Kontemplation bei gleichzeitiger permanenter Anspannung demonstriert diese Musik, dass sie vom für irgendwelche Hitparaden produzierten Mainstream-Elektroschmus entfernter nicht sein könnte. Folgerichtig hatte die Gruppe 1997 ihre erste Session bei John Peel.
Hier sind im besten Sinne fanatische Rhythmusarbeiter, ja Rhythmen- und Klangforscher am Werk, die eine gänzlich hektiklose, moderne und dabei warme Großstadtmusik auf Zimmertemperatur herstellen, die ihresgleichen nicht hat. Das Beste daran ist: Es bleibt bei allem soundinstallationshaften Experimentalgezwackel höchst tanzbare Popmusik. Warum, wie neulich beim Neujahrskonzert in der Volksbühne geschehen, die tumben Massen wie festgeschweißt starr auf ihren Sesseln kleben und den Klängen lauschen, als befinde man sich in einem Kammermusikkonzert, bei dem es verboten ist, sich zu bewegen, bleibt rätselhaft.
Die nun erschienene Compilation versammelt, wie der Titel des Albums schon andeutet, Tracks, die im Laufe der vergangenen elf Jahre auf mittlerweile vergriffenen 12-Inch-EPs oder bei diversen kleinen Labels, ausschließlich auf Vinyl, erschienen sind. Um eine Art Liebesgabe für Fans handelt es sich hier. Und um eine Gelegenheit für Uneingeweihte. Das nächste Album von To Rococo Rot erscheint frühestens 2008.
thomas blum
To Rococo Rot: Taken from Vinyl. Staubgold