31.01.2007

Hausmeister auf heißem Pflaster

in die presse

Wer reich ist, hat Grund zur Sorge. Denn überall lauern Neider. Selbst wer durch den Erwerb einer Immobilie an der Côte d’Azur eine gehörige Distanz zu gierigen Gewerkschaftern und unersättlichen Hartz-IV-Empfängern gewonnen hat, kann seinen Reichtum nicht in Frieden genießen.

Über die Nöte deutscher Immobilieneigentümer informiert die Riviera-Côte d’Azur-Zeitung. Dass die Schnellbuslinie zwischen Nizza-Flughafen und Hyères-Toulon stillgelegt wurde, ist zwar eine »mittlere Katastrophe« für den »Ferienhaus-Besitzer im Var«, gehört aber noch zu den geringsten Sorgen. Denn »für Besucher und Bewohner aus den Nachbarländern, die als wohlhabend gelten, sind Nizza und seine Umgebung ein heißes Pflaster«. Überall lauern »die Gangs aus den Nizzaer Ghettos«.

Der investigative Reporter Rolf Palm will sich nicht damit zufrieden geben, dass er von den lokalen Behörden Statistiken erhält, »die Trost spenden sollen«, weil sie einen Rückgang der Kriminalität belegen. Denn: »Mehr Sicherheit ist möglich!« Es gibt aber auch Positives zu melden. Monaco hat »die höchste Polizeidichte Europas« und einen eifrigen Polizeichef, der sogar hinter seinen patrouillierenden Untergebenen herschleicht »und überwacht, ob sich die Augen des Gesetzes nicht mal zu einem Siesta-Stündchen schließen«. Das Erfolgsrezept ist die »Null-Toleranz-Politik unserer Justiz«, erläutert der Polizeichef. »Daran hapert es in Frankreich.«

Kann man das Leben an der Côte d’Azur trotzdem genießen? Für gehobenen gesellschaftlichen Umgang ist immerhin gesorgt. Wer eine neue Kloschüssel installieren lassen will, kann sich an Rainer Freiherr von Recum wenden, den »Koordinator des Bauteams Côte d’Azur«. Und »Lustgefühl erzeugt es auch, mit einem Blick Banken, Boutiquen und Büros zu überschauen, in die ich investiert habe«, berichtet Palm, der vor den Gangs aus den Nizzaer Ghettos auf seine Terrasse im 26. Stock geflüchtet ist.

Geld allein macht nicht unglücklich, aber viele Reiche scheinen doch recht arme Würstchen zu sein. Deutsche Würstchen gibt es übrigens in »Biggi’s Welt«. Aber Vorsicht, der Laden befindet sich in Nizza, und Sie wissen ja, wer ihnen da auflauert.

jörn schulz