31.01.2007

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Tiere sind nicht so beliebt im Kreis der Kolleginnen und Kollegen. Cäsar, der immerhin recht friedliche und nicht mehr als durchschnittlich sabbernde Hund eines Layouters, hat auch nach Jahren bisweilen noch unter speziesistischen Sprüchen und Verdächtigungen zu leiden, obwohl er noch nie mit einem Stück Wade in der Schnauze erwischt wurde. Cäsars Kuschelkiste räumt der hartherzige Thema-Redakteur regelmäßig, kaum dass der Hund hinausgetrabt ist, ins kalte Treppenhaus.

Lebewesen mit mehr als vier Beinen sind noch weniger gern gesehen im vierten Stock in der Bergmannstraße 68. Inbesondere, wenn sie in der Nähe der Arbeitsplätze laut brummend umherflattern. Da in einer Zeitungsredaktion, in der noch richtig gearbeitet wird, etwa sieben Achtel der Gesamtfläche mit Papier bedeckt sind, dauert es jedoch nicht lange, bis sich der Brummer auf einem Blatt, einer Zeitung oder einer Mappe niedergelassen hat. Kaum ist das zarte Wesen also irgendwo gelandet, schleicht sich eine Redakteurin an und versucht, es mitsamt seiner Sitzfläche zum Fenster zu transportieren und hinauszubefördern.

In der Regel sucht das Insekt dann unverletzt das Weite. Der Brummer, der in der vorigen Woche aus dem Fenster geschnippt wurde, könnte jedoch gefährliche Blessuren davongetragen haben. Nicht genug damit, dass es kräftig regnete, flatterte auch noch ein gutes Dutzend Presseausweise hinter ihm her, denn er war unglücklicherweise auf einer Kladde gelandet, in der sich jene befanden. Die für Journalistinnen und Journalisten unverzichtbaren Dokumente haben seit dem vorigen Jahr wie inzwischen beinahe alle »Papiere« außer dem Universitätsdiplom und dem Bonusheft die Form von Kreditkarten. Manche stürzen deshalb wie kleine Fallbeile zu Boden und könnten dem Chininpanzer eines Insekts gefährlich werden. Andere schaukeln dagegen auf Luftkissen sanft hin und her, drehen sich unzählige Male um die eigene Achse, klatschen gegen die Hauswand und fallen dann erst runter. Allesamt verteilen sie sich großflächig im Hinterhof auf parkenden Autos und auf dem Asphalt und werden besonders von Pfützen geradezu magisch angezogen.

Die Frage, ob man mit Presseausweisen ein Insekt im Fluge erschlagen kann, muss offen bleiben. Empirisch erwiesen ist jedoch, dass ein gutes Dutzend der Kärtchen, aus dem Fenster im vierten Stock geworfen, sich bei der Landung auf einer Fläche von mindestens 50 Quadratmetern verteilt. Mehr Platz stand für den Versuch leider nicht zur Verfügung.

Wieder eingesammelt, mussten alle Presseausweise zum Trocknen ausgelegt werden. Passieren derlei Unglücksfälle, erweist sich das Material, aus dem die Ausweise sind, als gar nicht so schlecht. Denn außer ein paar verschwommenen Unterschriften auf den Rückseiten waren keine bleibenden Schäden zu verzeichnen. Das wäre aber auch nicht so schlimm gewesen. Es waren ohnehin nur die Ausweise des Jahres 2006.