Es verläuft doch immer ähnlich, wenn die Popindustrie zum Tanz lädt: Zunächst werden hier und da einige Gerüchte über das »nächste große Ding« gestreut. Die Musikpresse lässt sich nicht lange bitten, füllt die Nachrichtenspalten und denkt sich schon einmal passende musikalische Vergleiche aus, damit die Leser wissen, womit sie rechnen können. Gut ist es auch, wenn sich alte, verdiente und glaubwürdige Musiker wohlwollend über den baldigen Star äußern. Und irgendwann kommt dann die Zeit, zu der die Platte veröffentlicht wird, auf die die ganze Welt gewartet hat.
Mit Jamie T. verhält es sich ähnlich. Die britische Musikzeitschrift NME hat ihn zu einem Liebling erkoren. Einen musikalischen Verweis hat sie sich auch ausgedacht: »Man nennt Jamie T. nicht ohne Grund den Ein-Mann-Arctic-Monkey.« Und Paul Simonon, der ehemalige Bassist von The Clash, war voll des Lobes, nachdem er Jamie T. live gesehen hatte.
Der Hörer, der die Hypes der Musikindustrie skeptisch wahrnimmt, rümpft also die Nase. Er dürfte dennoch überrascht sein, wenn er »Panic Prevention«, das erste Album des 20jährigen Musikers aus Wimbledon, hört. Der unvermeidliche Superhit plärrt einen nicht auf Anhieb an. Und so schrecklich eintönig wie bei den Arctic Monkeys geht es keinesfalls zu. Jamie T. lässt es langsam angehen, erzählt uns die Geschichten, die er in den Londoner Clubs mit den Drogen, dem Alkohol und mit den Frauen erlebt hat. Dazu spielt er seinen Akustikbass, die unhektischen Beats klopfen gemächlich, bis der Musiker es schließlich mit seiner Mischung aus Pop, Punk, HipHop und Reggae geschafft hat: Man wippt mit und lächelt. Und insgeheim lässt sich wahrscheinlich sogar der größte Skeptiker von Jamie T. zum Tanz einladen.
markus ströhlein
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