28.03.2007

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Zuweilen geschieht es, dass junge, frische, knackige Menschen, die direkt aus der Kaderschulung, dem Straßenkampf oder der Hochschule kommen, zu uns in die Redaktion stoßen, um hier als neuer Kollege oder als neue Kollegin die Härten des Journalistendaseins am eigenen Leib zu durchleben. Das gefällt uns. Denn, wie schon der alte Plutarch sagte: »Man muss junge Leute gewöhnen, die Wahrheit zu sagen.« Und das lernen sie hier bei uns. Früher oder später.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass altgediente Haudegen, die diese lustige Wochenzeitung vor beinahe zehn Jahren einst mitgegründet haben, die Redaktion verlassen. Das sorgt dann für viel Wehmut.

So geschah es etwa diese Woche, als unser ehemaliger langjähriger Chef vom Dienst und gegenwärtiger Dossier-Redakteur zwei Pullen Sekt auf den Konferenztisch stellte und verkündete, er werde fortan sein Leben als freier Journalist zubringen und sich des weiteren um seine beiden rotznasigen Zöglinge kümmern.

Nun hat es mit der Tätigkeit des Chef vom Dienstes, um das einmal zu erklären, Folgendes auf sich: Der CvD, wie er auch liebevoll genannt wird, sitzt schon frühmorgens, wenn unsere Leser noch ihren Rausch ausschlafen, übernächtigt und mit sichtbaren Augenrändern an seinem Schreibtisch, um von dort die Weltrevolution zu planen. Dabei raucht er viele Zigaretten. Manchmal hört man ihn brüllen, manchmal hackt er auf seiner Tastatur herum, und manchmal ist er guter Dinge, weil ihm gerade ein drolliges Titelbild eingefallen ist. Immer aber sitzt er da wie festgeschweißt, schweigend und konzentriert, auf seinem Stuhl und starrt rauchend auf seinen Bildschirm. Keiner weiß genau, was er da im einzelnen tut, aber alle wissen, dass es ohne ihn diese Zeitung nicht gäbe. Spätnachts, wenn alle Kollegen ihren wohlverdienten Feierabend genießen, sitzt er oft noch da und recherchiert und redigiert und telefoniert und erfindet Überschriften und spült das Geschirr.

Diese Tätigkeit verrichtete der uns nun verlassende Kollege bis vor einigen Jahren tag­ein, tagaus klaglos und hingebungsvoll, und dafür haben wir ihm auf Knien zu danken.

Doch wenn man’s einmal genau nimmt, wird sich so schrecklich viel für ihn gar nicht ändern: Künftig wird er frühmorgens, Weltrevolution hin oder her, übernächtigt und mit sichtbaren Augenrändern zuhause sitzen mit zwei schreienden Kindern auf dem Schoß. Dabei wird er viele Zigaretten rauchen. Und manchmal wird man ihn brüllen hören, und manchmal wird er guter Dinge sein. Und erst wenn die Kinder ruhiggestellt sind, wird er an seinem Schreibtisch Platz nehmen. Und spätnachts wird er zuhause das Geschirr spülen.

Nur hat er dann niemanden mehr wie uns, der es ihm dankt.