02.05.2007

LeserInnenworld

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Zuschriften bitte an: briefe@jungle-world.com oder per Post an die Redaktion.

Jungle World 16/07: Kopftuch vs. Bikini

Der Kampf geht weiter

Ich weiß nicht genau, was Kolja und Urs Lindner von der Abschaffung der Sklaverei in Nordamerika »verstanden haben«. Sicher nicht, dass der alte Oscar Wilde recht hatte. Den beiden ist offenbar entgangen, dass die Sklaven des Baumwollsüdens nur befreit wurden, weil man sie als billige Arbeitskraft in dem sich schnell industrialisierenden Norden gebraucht hat. Einen blutigen Bürgerkrieg war die Sache sogar wert. Die Afroamerikaner hat man weder gefragt, noch haben sich diese (außer durch Flucht) beteiligt. Postfaktum vergaß man wieder die Gleichberechtigung, die Rassentrennung blieb, das Wahlrecht musste erst viele Generationen später, friedlich, erkämpft werden, erst hier treten die Afroamerikaner als aktive Subjekte auf die Bühne, der Kampf dauert an. Man merke: Nicht jeder aus Verzweiflung entstandene blutige Kampf ist eine Revolution, erst recht ist nicht jede Revolution ein Fortschritt, wenn ihr nicht eine geistige Emanzipation folgt.

coper

Jungle World 16/07: Operation »Blondes Mädchen«

Keine Demokraten

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie positiv sich Sabine Küper-Büsch auf die von ihr als »konservativ« bezeichnete AKP bezieht und dabei deren islamistisch-reaktionären Charakter leugnet. Erdogan, der seinerzeit vor dem Obertaliban Gulbuddin Hekmatyar niederkniete, und die Mehrheit seiner Parteimitglieder sind keine Demokraten und erst recht keine Menschenrechtler oder gar Anhänger des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit. Vor seiner Wahl versprach er, das für Abgeordnete geltende Immunitätsprinzip abzuschaffen, was er bisher nicht getan hat. Warum, liegt auf der Hand.

nicole aydogdu

Jungle World 16/07: Das liebe Vieh

Es gibt progressive Tierrechtsgruppen!

Es ist ja schön, wenn der Autor meint, dass der Jargon »Holocaust gegen die Tierwelt« in der Tierrechtsszene »üblich« sei. Es stellt sich allerdings die Frage, von welcher Szene er da genau spricht. Ähnlich wie die Linke ist die TR-Szene sehr heterogen. Dass Gruppen wie Peta sich nicht um linke Kritik an ihren äußerst kritikwürdigen Kampagnen (Holocaust-Relativierung, Sexismus etc.) kümmern, ist allseits bekannt, aber dass es zahlreiche progressive, linke Gruppen aus dem Tierrechts-/Tierbefreiungsspektrum gibt, kehren Leute wie Andreas Speit bekanntermaßen auch gerne unter den Tisch. Darüber hinaus fand ich die Buchrezension »Kopftuch vs. Bikini« inhaltlich sehr ansprechend und lehrreich. Kritik an Islamophobie von links tut der Jungle World meiner Meinung nach wirklich gut, und auch dazu würde ich eine offene Diskussion sehr begrüßen.s

stupsi