Man kann König Abdullah schwerlich als einen Freund der Emanzipation bezeichnen. Arbeiten dürfen Frauen seiner Ansicht nach jedoch, im vergangenen Jahr erließ der saudische Monarch sogar ein Edikt, das sie ausdrücklich dazu ermutigte. Seitdem aber verschärft sich ein schon länger bestehendes Problem. Wie sollen die Frauen in einem Land, in dem sie nicht Auto fahren und nicht ohne Begleitung eines Ehemanns oder männlichen Verwandten auf die Straße gehen dürfen, ihren Arbeits- oder Ausbildungsplatz erreichen?
Die erwünschte Lösung ist, dass ein männliches Familienmitglied sie chauffiert. Viele Saudis meinen aber, eine solche Dienstleistung zu erbringen, sei unter ihrer Würde, und beschäftigen einen Fahrer. Welche Folgen das bisweilen hat, schildert die saudische Tageszeitung Arab News. »Mein Leben änderte sich plötzlich, als mein Vater einen arabischen Fahrer einstellte«, berichtet die 26jährige Maisa. Bald war sie schwanger, die Familie verbot eine Heirat. Nun sitzt der Fahrer im Gefängnis und sie mit Zwillingen zu Hause.
Dergleichen käme häufig vor, empört sich Sheikh Abdullah al-Ali vom Zentrum für Predigt und Fatwa in Mekka. Der Geistliche gibt jedoch nicht den Frauen die Schuld. Die Verantwortung liege vielmehr bei den »Eltern und Ehemännern«. Denn »sie vertrauen den Fahrern«, obwohl ihnen doch klar sein müsse, dass es sich um Ausländer handelt, deren »Konzepte meist islamischen Prinzipien widersprechen«. Ähnlich sieht es die Sozialwissenschaftlerin Nura Abdullah al-Hawshan. Die Frauen »werden nicht ordentlich von ihren Eltern überwacht. Die Eltern vertrauen ihnen zu sehr.« Sie meint, dass es Frauen gestattet werden sollte, selbst ein Auto zu lenken, selbstverständlich nur mit Schleier.
Moudy al-Zahrani, ein Kolumnist der Zeitung al-Watan, ist dagegen der Ansicht, dass Frauen schon auf dem Rücksitz mehr als genug Schaden anrichten. »Sobald eine Frau im Auto sitzt, beginnt sie, dem Fahrer widersprüchliche Anweisungen zu geben, die er alle ausführen soll.« Deshalb entscheide »die Stimmung der Frau« darüber, »ob alles gut läuft oder der Tag in einem Desaster endet«.
jörn schulz