09.05.2007

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O Mann, was sind wir nur für Schnorrer! Vielleicht erinnern Sie sich: Nachdem die Kollegen einer Nachrichten­agentur vor Jahren ihre desolaten Bürostühle entsorgten, hatten wir am nächsten Tag »neue« Bürostühle. Die Frankfurter Rundschau haben wir extra abbestellt und neu abonniert, um den Tisch-Kicker abzustauben, den es als Abo-Prämie gab (nicht nachmachen, liebe Leser, so was ist total asozial!). Nun hat eine Kollegin zuhause ausgemistet und statt den Sperrmüll anzurufen, rief sie bei uns an. »Ihr sucht doch ein Sofa?«

Ist das nun der viel beschworene Aufschwung? Kommt er also endlich doch bei den »Leuten da unten« an? Zumindest das »Sofa« ist bei uns angekommen. Nein, schön ist es nicht. Bequem, na ja. Aber, wir wollen nicht klagen, es ist eine Sitzgelegenheit und damit mehr als keine Sitzgelegenheit; unser Korrekturraum erfährt so eine deutliche Wertsteigerung. Auch wenn um das Sperrmüllsofa herum die Fahrräder geparkt werden und daneben der Altpapiercontainer steht, ist bereits vom »Salon« die Rede. Dort kann man nun in Ruhe mal eine rauchen, was längst nicht mehr überall in unseren Räumlichkeiten möglich ist.

Im wörtlichen Sinn ist unser Salon natürlich keiner. Von einem »großen Saal« kann nicht die Rede sein. Aber ein Empfangszimmer ist er durchaus, denn wer uns besuchen kommt, muss zunächst durch diesen kleinen Multifunktionsraum. Dann kann er oder sie sich neuerdings erstmal auf die Couch lümmeln und aus dem Fenster auf die einstmals liebevoll verputzte Brandmauer gegenüber schauen.

Sie finden, das klingt alles etwas trist und deprimierend? Nein, nein. So schlimm ist es gar nicht. Wenn die Sonne scheint, kann man sich ans Fenster unseres Salons setzen und sich den Wanst bräunen. Ja, unser Korrekturraum-Fahrradparkplatz-Altpapier-und-Werkzeug-Lager-Beratungs-und-Empfangszimmer-Salon ist gleichzeitig unsere Sonnenwiese, unser Draht zum UV-Licht, zum Sommer. Und das ist doch eine schöne Sache. Hier kann man es sich gut gehen lassen.

Doch dürfen wir das? Antideutsche Aktivisten aus Leipzig, die vor Jahren zu Protesten gegen IWF und Weltbank trommelten, warfen uns seinerzeit vor, nicht persönlich an Ort und Stelle zu sein und einzugreifen in den Kampf: »Bevor man sich nämlich mit den Falschen gemein machen könnte, glänzt man lieber durch vollständige Abwesenheit. Dieses kultivierte Salon-Dasein hat derzeit insbesondere bei der Wochenzeitung Jungle World, deren Umfeld und bei großen Teilen ihrer Leserschaft Hochkonjunktur.«

Das war im Jahr 2000, also sieben Jahre bevor wir überhaupt einen Salon hatten! Was soll jetzt nur aus uns werden? Werden wir uns nun endgültig auf unserem dekadenten Kanapee, unserem mondänen Chaiselongue, unserem feudalen Diwan der kultivierten Geselligkeit hingeben und die Bewegung da draußen auf der Straße einfach vergessen? Wer das befürchtet, wird hiermit eingeladen, mal auf einen Kaffee Platz zu nehmen auf dem Polsterding da vorne. Viel Spaß!