Einen Sack Reis über die Schulter geworfen und immer in die Kamera schauend: So präsentierte sich Bernard Kouchner im Dezember 1992 am Strand von Mogadishu. US-amerikanische und französische Truppen landeten damals in Somalia, wo der Zentralstaat nach dem Ende der Diktatur von Siad Barre zerfallen war und rivalisierende Warlords humanitäre Lieferungen blockierten. Der damalige französische Gesundheitsminister wollte mit seiner Geste die Theorie vom »Recht auf Einmischung« illustrieren. Dieses droit d’ingérence besagt: Überall, wo die Menschenrechte verletzt werden, sollen hilfswillige Staaten und andere Akteure eingreifen dürfen.
Die Intervention in Somalia wurde ein Flop. Im Jahr 1994 zogen die Truppen ab, ohne dass sich im Land viel verändert hatte. Kouchner konzentrierte sich auf den Balkan und propagierte ein westliches Eingreifen in die Kriege im ehemaligen Jugoslawien. Von 1999 bis 2001 war er Gouverneur im internationalen Protektorat Kosovo. Die faktische Säuberung der Provinz von nicht-albanischen Minderheiten, die Kouchner ablehnte, konnte er nicht verhindern. Sein gröbster Fauxpas fällt in das Jahr 2003, als der damalige Oppositionspolitiker für den Erdölkonzern Total tätig wurde. Für 25 000 Euro verfasste er eine Studie über die Aktivitäten des Konzerns in Birma, wo diesem die Ausbeutung von Sklavenarbeitern vorgeworfen war. Kouchner behauptete, an den Vorwürfen sei nichts dran; Total räumte sie später ein.
Am Freitag wurde Kouchner vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zum Außenminister erhoben. Die Sozialisten schlossen ihn am selben Tag aus der Partei aus. Die pro-interventionistischen Meinungen beider Politiker ähneln sich. Bei den Sozialdemokraten fühlte Kouchner sein Talent notorisch unterschätzt. Nun kann er es unter einem Präsidenten, der in hohem Maße persönlich die Politik bestimmen möchte, unter Beweis stellen.
bernhard schmid