30.05.2007

»China gibt es!«

small talk

Am Sonntag fand vor der chinesischen Botschaft in Berlin eine Kundgebung unter dem Motto »Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!« statt. Einer der Organisatoren erzählt, worum es ging.

Wen und was wollen Sie mit Ihrer Kundgebung erreichen?

Sicher nicht die Leute von der chinesischen Regierung, die werden wir nicht erreichen und die würden auf den durchgestrichenen Mao auf unserem Transparent vermutlich nur mit Schulterzucken reagieren. Es ist eher eine innerlinke Sache, und wir wollen vor allem zwei vernachlässigte Themen aufs Tapet bringen: zum einen, dass China ein weltpolitischer Akteur und keine herumgeschubste Dritte-Welt-Macht ist, zum anderen den Begriff des Kommunismus. Wir wollen daran erinnern, dass damit etwas anderes gemeint war.

Wer hält China überhaupt noch für kommunistisch?

Im Mainstreamdiskurs, etwa im Spiegel, wird beides durchaus gleichgesetzt, zumal das frühere Schreckgespenst Sow­jet­union verschwunden ist. Und in der Linken ist es neuerdings einen Trend zur Verklärung des Realsozialismus. So manche Autoren halten die chinesische Regierung für progressiv, weil diese sich der Dominanz der westlichen Staaten auf dem Weltmarkt entgegenstelle. Solche Mythen gehören zertrümmert.

Weit mehr als China genießt das Venezuela von Hugo Chávez die Sympathien vieler Linker.

Mit diesem Motto könnte man sicher auch eine Kundgebung vor der venezolanischen Botschaft machen. Aber die kritische Auseinandersetzung mit Venezuela wird erheblich intensiver geführt als mit China. Die chinesische Außenpolitik, das Ausmaß der Repression und die sozialen Verwerfungen im Land oder das Auftreten Chinas in Afrika, das einem Imperialismus aus dem Bilderbuch gleicht – das alles ist kaum ein Thema.

Wie soll es jetzt weiter gehen?

Ich bin da als Veranstalter eher so reingeraten, denn bisher hat sich keine politische Gruppe gefunden, die sich des Themas angenommen hätte. Es wäre super, wenn sich jetzt Leute intensiver damit auseinandersetzen würden. Das war als Startschuss gedacht: Hey, das Thema gibt es!

interview: jonny weckerle