Wenn einer zu den Guten im Doping-Drama gehört, dann der unfehlbare Hajo Seppelt, Dopingexperte der ARD. Denn er gehörte nicht zum sportjournalistischen Schweigekartell, das den zugedröhnten Radlern jahrelang wohlwollend zuschaute und einschlägige Anzeichen für den Gebrauch illegaler Substanzen wegerklärte.
Wegen seiner eigenen, unbezweifelbaren Unschuld konnte Seppelt am Donnerstag voriger Woche, als sich Aldag, Zabel und Co. gerade zu Ende entschuldigt hatten, bereits die nächste Gruppe benennen, die dringend um Vergebung zu bitten habe: die Sportjournalisten. Nur dürfte Seppelt selbst kaum wollen, dass dies geschieht. Untrennbar mit dem Wegschauen und Klappehalten verbunden ist nämlich das, was die Mehrzahl der Zuschauer und Journalisten, einschließlich seiner selbst, unter Sportberichterstattung versteht: das deliriös-kritiklose Bejubeln deutscher Spitzenleistungen, die germanozentristischen Übertragungen internationaler Events und die eiskalte Verachtung der Konkurrenz.
Dieser ekelhafte Mischmasch aus Deutschland-Wahn und Kumpanei führte bisher in beinahe jedem Dopingfall, egal in welcher Sportart, dazu, dass den ungeständigen Ertappten freudig Sendezeit und Spaltenplätze eingeräumt wurden, in denen sie ihre Verschwörungstheorien verbreiten durften. Denn gedopt, das waren immer nur die anderen. Der bedingungslose Glaube ans deutsche Antidoping-System – die Methoden der zuständigen Agentur Nada sind erst kürzlich als höchst lückenhaft entlarvt worden – führte dazu, dass die Protagonisten sogar am Abend des T-Mobile-Super-Gaus in der Talkshow bei Maybritt Illner das taten, was sie bisher immer taten: erklären, dass die Dopingbekämpfung nur hierzulande funktioniere und im Ausland geradezu haarsträubende Bedingungen herrschten.
Da war sie wieder, die Kumpelei mit dem armen deutschen Athleten, der anständig und aufrecht seinen Job zu erledigen versucht, aber von der dopenden Konkurrenz an die Spritze gezwungen wird. Und daran wird auch Seppelt nichts ändern.
elke wittich