12.07.2007

Nachrichten

Slum zu ­verkaufen

Stadtentwicklungspläne der ganz besonderen Art verfolgt derzeit die indische Metropole Mumbai. Denn in der boomenden Stadt, in der die Mieten um 40 Prozent pro Jahr steigen, liegt auch einer der größten Slums der Welt. Auf einer Fäche von 2,5 Quadratkilometern lebt hier mehr als eine Million Menschen, größtenteils verdienen sie ihren Hungerlohn in Wäschereien, Gerbereien und Töpfereien. Um diesen »Schandfleck« mitten in der City loszuwerden, soll das Areal für umgerechnet 1,7 Milliarden Euro verkauft werden. Dem Plan zufolge soll ein Investor den Slum erwerben, auf einer Hälfte Appartements und Einkaufszentren errichten und auf der anderen Sozialwohnungen für die derzeitigen Bewohner.

Im Gegensatz zum Bundesstaat Maharashtra, der seine Slumbewohner »als wichtiges menschliches Kapital« betrachte, würden »überall auf der Welt die Bewohner der Elendsviertel wie Ungeziefer behandelt«, sagt Mukesh Mehta, der Architekt des Projekts. So dürften sich die Menschen in Mumbais Slum jedoch auch fühlen. Sie fürchten um ihre Existenzgrundlage und organisieren bereits Proteste. Denn eine der geplanten 57 000 Sozialwohnungen, die ohnehin nicht ausreichen würden, bliebe für die meisten unerschwinglich. ca

Hessen außer Rand und Band

Den Hessen ist alles zuzutrauen. So könnte etwa die Verwandlung von Wein zu Wasser unmittelbar bevorstehen. Alles scheint möglich, man muss nur dran glauben. Und die Hessen tun das!

Die Kultusministerin des Landes, Karin Wolff (CDU), stellte »erstaunliche Übereinstimmungen« zwischen der christlichen Schöpfungslehre und der Evolutionstheorie fest und plädierte da­für, die Bibel sozusagen zum zweiten Biologiebuch zu machen. Somit ist Wolff die erste mutmaßlich kreationistische lesbische Ministerin der Republik. Ministerpräsident Roland Koch unterstützte sie nach Kräften. Koch steht allerdings nicht auf Männer, sondern auf Atomkraftwerke. Wer blickt da noch durch? gs

Grenzenlos sexy

EU. Der EU-Kommission ist es endlich gelungen, von den EU-Bürgern Aufmerksamkeit zu erheischen. Dies gelang mit Hilfe eines Filmchens namens »Liebe«, das bisher nur auf Youtube verfügbar ist. 54 000 User sahen sich den Clip bereits an, der aus verschiedenen Sexszenen zusammen geschnitten ist. Sie wurden erfolgreichen und preisgekrönten europäischen Filmen entnommen wie »Die fabelhafte Welt der Amelie« oder »Gegen die Wand«.

»Lasst uns zusammenkommen«, lautet die abschließende Botschaft der EU. Empörte Reaktionen löste insbesondere die Schwu­len-Sequenz aus, etwa bei den polnischen Abgeordneten der Fami­lienliga oder der deutschen Christdemokratin Doris Pack. lh

Knapp davongekommen

Afghanistan. Lediglich sieben Tage musste ein deutscher Inge­nieur in den Händen afghanischer Krimineller ausharren. Wenn überhaupt, denn Medienberichten zufolge könnte der Vorfall auch eine Inszenierung des verschuldeten Mannes gewesen sein, der als Selbständiger im Land tätig ist.

Auf den Webseiten islamistischer Gruppen, die den Taliban und al-Qaida nahe stehen, waren mehrmals direkte Drohungen gegen Deutschland erschienen. Gefordert wurde ein Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, unter anderem von einer Gruppe, die seit mehr als fünf Monaten Hannelore Krause und ihren Sohn Sinan im Irak gefangen hält. pb