Verhinderte Hochzeit
Heiraten wollte die 13jährige Habiba Sultana den zehn Jahre älteren Mann nicht, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte. Das Gesetz verbietet die Zwangsverheiratung Minderjähriger, doch Habiba wagte es nicht, sich zu widersetzen. Aber sie erzählte ihren Mitschülerinnen von den Absichten ihres Vaters. Am Donnerstag der vergangenen Woche, einen Tag vor der geplanten Zwangsverheiratung, gingen etwa 50 Schülerinnen auf die Straße, sie zogen zur Polizeiwache der Stadt Satkhira und übergaben dem diensthabenden Offizier ein Memorandum. Der Polizeichef Mirza Abdullahel Baki suchte daraufhin Habibas Vater auf, der die Hochzeit absagen und schriftlich versichern musste, seine Tochter nicht zu verheiraten. Die Demonstration der Schülerinnen »verursachte große Aufregung in der Stadt«, berichtet die Tageszeitung Daily Star.
Die meisten Ehen in Bangladesh werden arrangiert, von Eltern, Verwandten oder Ghataks, professionellen Vermittlern. Etwa 50 Prozent der Mädchen werden in die Ehe gezwungen, bevor sie volljährig sind. Seit 1929 gilt der Child Marriage Restraint Act, und Bangladesh hat die UN-Konvention gegen Zwangsheiraten unterzeichnet, allerdings mit dem Vorbehalt, dass auch die »Personengesetze der religiösen Gemeinschaften« angewendet werden können. Ob bürgerliches oder islamisches bzw. hinduistisches Recht gilt, ist in vielen Fällen unklar.
Wenn der Geistliche nicht hilft, werden viele zurückgewiesene Männer gewalttätig. So wurde der 13jährigen Asma Akter Säure ins Gesicht geschüttet, weil sie sich einer Zwangsheirat widersetzte. Menschenrechtsorganisationen zählen in Bangladesh jährlich mehr als 250 Säureattentate gegen Frauen und Mädchen. Die Täter werden nur selten vor Gericht gestellt. js
Malen ohne Zahlen!
Hamburg. In der Hamburger Hochschule für Bildende Künste (HfBK) könnte es in naher Zukunft recht leer werden. Schuld daran ist nicht etwa der demografische Wandel, sondern die Exmatrikulation von 265 der 571 Studierenden. Die Bescheinigungen sollten diese Woche verschickt werden.
Die Studierenden boykottieren die Studiengebühren von 500 Euro pro Semester. Sie lehnen auch das Hamburger Hochschulrahmengesetz ab, da sich »die darin enthaltenen Festschreibungen wie die Einführung von Studiengebühren und Bachelor/Master im Gegensatz zu unseren Vorstellungen eines freien Studiums befinden«, wie es in einer Erklärung hieß. gs
Verschwörung und Versöhnung
Äthiopien. »Die im Gesetzbuch vorgesehene Höchststrafe muss gegen jene verhängt werden, die sich gegen die Verfassung verschwören«, sagte Abraham Tetemke, Generalstaatsanwalt des Obersten Gerichtshofs am Montag der vergangenen Woche. Er forderte die Todesstrafe für 38 Oppositionelle, deren »Verschwörung« der Protest gegen die Manipulation der Parlamentswahlen im Dezember 2005 war. Die Sicherheitskräfte hatten damals etwa 30 000 Menschen festgenommen und 193 getötet. Die US-Regierung scheint sich jedoch um das Image ihres afrikanischen Verbündeten zu sorgen, sie forderte, beim Strafmaß das Ziel der »Versöhnung« zu berücksichtigen. pb
Sparaktion
Österreich. 62 Jahre nach Kriegsende hat sich die Regierung dazu durchgerungen, das erste Mal für die Ergreifung von gesuchten NS-Verbrechern eine Belohnung auszusetzen. Eine sehr sparsame Aktion, denn von 328 in Österreich geborenen mutmaßlichen NS-Verbrechern, die das Simon Wiesenthal Center Österreich seit September 2003 übermittelt hat, sind die meisten – welche Überraschung – bereits gestorben. Für Hinweise, die zur Ergreifung und Auslieferung des früheren KZ-Arztes Aribert Heim und des ehemaligen SS-Hauptsturmführers Alois Brunner führen, wurden jeweils 50 000 Euro Belohnung ausgesetzt. ke
Weltkulturerbe auf der Speisekarte
Der Gesundheitswahn ist nicht mehr aufzuhalten. Es gibt kaum noch jemanden, der keine Dauerkarte fürs Fitnessstudio besitzt, nicht heimlich Joggen geht, vor dem Kauf eines Lebensmittels die Nährwertangaben nicht studiert oder sich den Vorschriften der repressiven protestantischen Gestaltung der Nahrungsaufnahme widersetzt. Doch einem Vorstoß der Spanier könnte es demnächst zu verdanken sein, dass das lästige Kalorienzählen der Vergangenheit angehört. Am Montag machte Spanien auf der Tagung der EU-Agrarminister den Vorschlag, die so genannte Mittelmeer-Diät, auch als »Kreta-Diät« bekannt, ins Unesco-Weltkulturerbe aufzunehmen. Olivenöl, Tomaten, Fisch und Wein sind die Grundlagen dieser Kulturgüter. Nur nordeuropäische EU-Beamte konterten den Vorschlag mit der Bemerkung, lieber bei Eskimos und Lebertran zu bleiben.