Max Strauß klaut nicht, schlägt keine alten Frauen zu Boden, überfällt keine Tankstellen. Das wäre wohl auch nichts für seine sensible Seele. Max macht es auf seine Art. Ohne Dreck und Schmutz, und wenn Spuren da sind, werden sie unauffällig beseitigt. »Direkte Beweise gab es nie«, lautet die Einsicht des zuständigen Richters nach knapp zwölf Jahren Prozesses wegen Steuerhinterziehung. Logisch, dass Max Strauß freigesprochen wird. Logisch auch, dass er für die damalige Hausdurchsuchung finanziell entschädigt wird. Hat ja niemand was gefunden. Auf seinem Computer – ein hinterhältiger Virus? – war alles schon gelöscht, die Festplatte – wo kam sie nur hin? – verschwand, die Vorwürfe verliefen sich im Sande. Max Strauß sollte Provisionszahlungen für Flugzeug- und Panzergeschäfte von seinem Freund, dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber, erhalten haben. Das Geld landete unversteuert auf »Maxwell«, einem Schweizer Konto. Irgendwelche, heute angeblich nicht mehr relevanten Beweise führten zu drei Jahren Haft, seine angeknackste Psyche ersparte Max den Knastaufenthalt, schwierige Kindheit und so. Das Urteil wurde aufgehoben. Im aktuellen Verfahren kam noch einmal der ganze Schreiber-Clan zusammen und holte Mäxchen endgültig aus dem Sumpf.
So sehr sich Papa bemühte, der Sohn folgte ihm nie in die große Politik. Max wurde Jurist und stürzte sich in fragwürdige Geschäfte. Als Anwalt der WABAG unterstützte er den Betrug von 5 000 Anlegern. Solch’ aufregende Geschäfte ertrug er freilich schwer. Strauß litt unter Panikattacken und Depressionen, er legte seine Zulassung als Rechtsanwalt nieder und begab sich zur Behandlung in die Psychiatrie. Das Verfahren habe ihn »persönlich und wirtschaftlich fast umgebracht«. Aber es ist ja alles nochmal gut gegangen, selbst die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Mit fast 50 Jahren kann er sich an seinem nunmehr sorgenfreien Leben erfreuen und endlich mal die Füße hochlegen.