Mit seinen 66 Jahren hätte Viktor Subkow eigentlich bereits Anspruch auf eine Rente. Doch sein ehemaliger Vorgesetzter bei der Petersburger Stadtregierung in den neunziger Jahren, der russische Präsident Wladimir Putin, hatte mit dem im Jahr 2001 zum Chef der Finanzaufsichtsbehörde beförderten Subkow noch Größeres vor. Am Freitag wählte die Duma ihn mit überwältigender Mehrheit zum neuen russischen Premierminister. Das Verhältnis des parteilosen Subkow zu Putin gilt als eng und freundschaftlich, ihm soll gar bereits einmal die Ehre zuteil geworden sein, die Kerzen der Geburtstagstorte des Präsidenten ausblasen zu dürfen. Subkow arbeitete sich nach Beendigung seines Wirtschaftsstudiums zuerst zum Generaldirektor einer Sowchosenvereinigung hoch, wechselte später als leitender Funktionär zum Gebietskomitee der KPdSU für Landwirtschaft und legte im Apparat eine vorbildliche Karriere hin, die ihn zum stellvertretenden Gebietsvorsitzenden machte. Ab 1993 leitete er die Steuerbehörde in St. Petersburg und trat einmal zu den Gouverneurswahlen an, bei denen er allerdings unterlag.
Trotz seiner Nähe zu den obersten Machtgefilden hatte niemand mit der Ernennung des parteilosen Subkow gerechnet. Vielmehr gingen Beobachter von einem ähnlichen Szenario wie 1999 aus, als Putin zum Premierminister ernannt und damit seine Amtsübernahme als Präsident eingeleitet wurde. Denn die gesamte russische Politik ist auf den 2. März 2008 ausgerichtet, den Tag, an dem Putins Nachfolger gewählt wird. Bislang traten als Hauptanwärter allerdings die beiden Vizepremierminister Sergej Iwanow und Dmitrij Medwedjew in Erscheinung. Subkow erklärte vor der Duma die Korruptionsbekämpfung zu seiner obersten Priorität, darüber hinaus will er die Entwicklung der Regionen vorantreiben. Wie viel Freiheit ihm dazu eingeräumt wird, bleibt fraglich. Putin indes hat sich für seinen Nachfolger noch nicht entschieden, oder aber er will die Spannung erhalten. Subkow scheint dafür der richtige Mann zu sein.