Zehntausende Menschen ehrten am Sonntag auf dem Petersplatz ihre religiösen »Märtyrer«. Es waren dabei jedoch keine islamische Fundamentalisten zu sehen, sondern fromme Katholiken. Die Veranstaltung sollte daran erinnern, dass katholische Geistliche »ihr Blut für Christus vergossen« hätten, und zwar vor nicht so langer Zeit, im 20. Jahrhundert. Die Rede ist hier von 498 spanischen katholischen Priestern, Bischöfen und Mitgliedern religiöser Orden, die während des Spanischen Bürgerkrieges zwischen 1936 und 1939 von Gegnern des General Francisco Franco – das heißt, unter anderem von Anhängern einer demokratisch gewählten Regierung – getötet wurden.
Verwunderlich ist nicht, dass der Vatikan solche Figuren ehrt. Es ist bekannt, dass sich die katholische Kirche während des Bürgerkriegs und in den vier Jahrzehnten des Franco-Regimes geschlossen hinter den Diktator stellte, der von Nazi-Deutschland sowie von den italienischen Faschisten unterstützt wurde. Dass dieser Akt ausgerechnet am vergangenen Sonntag zelebriert wurde, zeigt aber die politischen Motive des Vatikans, der offenbar in der spanischen Debatte über den Umgang mit der Franco-Diktatur intervenieren will.
Am Mittwoch nach der nach Angaben von Radio Vatikan »größten Seligsprechung« der Geschichte verabschiedete das spanische Parlament ein von der sozialistischen Regierung vorgelegtes »Erinnerungsgesetz«, das eine symbolische Wiedergutmachung für die Opfer des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur vorsieht. Das Gesetz strebt eine »moralische Rehabilitierung« der Opfer der Diktatur an, die Aufhebung von Todesurteilen sowie eine finanzielle Wiedergutmachung für die Familien der gefallenen republikanischen Soldaten. Auch die Familien politischer Gefangener sollen entschädigt werden.
Außerdem verbietet das Gesetz ausdrücklich politische Veranstaltungen, die den Bürgerkrieg und die Franco-Diktatur glorifizieren.
Mit dem Gesetz sind in Spanien jedoch viele unzufrieden. Während die Konservativen den staatlichen Versuch kritisieren, das franquistische Erbe »aufzuarbeiten«, findet die radikale Linke das Gesetz zu gemäßigt, weil es beispielsweise die Urteile der Militärtribunale nicht aufhebt. fm