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Von Maik Söhler

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Ohne Netze fehlte uns viel. Was genau? Na – neue Formen der Sucht zum Beispiel. Neulich meldete Chip-online, dass ein montenegrinischer Großvater exhumiert werden muss, weil der mobilfunksüchtige Opa zwar seinem Testament gemäß mit Handy, aber ohne Sim-Karte bestattet wurde. Die hatte der Enkel kurz vorher rausgenommen. Nun wird alles noch mal ausgebuddelt, Sarg geöffnet, Sim-Karte eingefügt, und dann erst ist Ruhe in der Kiste. Wohlgemerkt: Es geht um die Sucht eines Toten.

Auch das Internet kann sich damit rühmen, wie kaum ein anderes Medium zur Verbreitung neuer Suchtformen beigetragen zu haben. Seien es Spiele, Pornos oder Chatforen – Hunderttausende haben hier ihr neues Zuhause gefunden. Das Portal Onlinesucht.de etwa unterscheidet strikt zwischen den Bereichen Online-Kommunikationssucht, Online-Spielsucht und Online-Sexsucht. Frauen sind eher kommunikationssüchtig, Männer plagt eher die Sex- oder Spielsucht.

Sucht muss nichts Schreckliches sein, auch wenn sie von den Süchtigen nicht selten als Qual empfunden wird. Man kann mit diversen Süchten gut leben, das aber nur, wenn man sich mit ihnen gründlich auseinandergesetzt hat und weiß, wo man Hilfe suchen kann, wenn es mal ganz hart kommt.

Über die Netzsüchte gibt es bislang einige Studien und reichlich Betroffenenberichte, insgesamt bleibt die Faktenlage dünn. Kein Wunder, so alt sind Internet, Computerspiele und mobile Telefonie ja noch nicht. Selbst der dazu passende Wikipedia-Eintrag (»Internetabhängigkeit«) weiß, dass er zu wenig weiß: »Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung.« Das ist es, was diese Suchtformen derzeit problematischer als andere macht.

http://onlinesucht.de/; http://de.wikipedia.org/wiki/Internetabh%C3%A4ngigkeit