Sparen mit krimineller Energie

Kreuzberger Bremse

Es gibt viele Möglichkeiten, Strom zu sparen. Einige von ihnen sind allerdings illegal.

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Viele Stromkonzerne leisten sich ein Team von Detektiven, die den Stromdieben auf die Schliche kommen sollen. Wie viele Haushalte in welcher Höhe Strom klauen, verraten die Konzerne allerdings nicht, mit der Begründung, dass die Veröffentlichung der Zahlen zur Nachahmung einladen würde. Allzu klein scheint die Zahl demnach also nicht zu sein. Für Berlin kursiert die Dunkelziffer von 6 000 Haushalten, die eine illegale Strom­sparvariante gewählt haben.
Wegen der steigenden Energiepreise herrscht mittlerweile auch eine große Nachfrage nach Methoden, mit denen Energieklau betrieben wer­den kann. Es existieren verschiedene Ratgeber und sogar Experten für illegales Stromsparen. Ei­ne der erfolgreichsten Techniken ist ihnen zufolge das Entfernen der Plombe mit einer Nähnadel. Im Inneren des Stromzählers müsse dann der angeschraubte Unterbrecherkontakt geöffnet wer­den, damit der Stromzähler still stehe. Zum Wassersparen wird empfohlen, die Wasseruhr kom­plett auszubauen und andersherum wieder einzusetzen, dann drehe sich die Uhr einfach rück­wärts. Wer weniger herumbasteln will, braucht nach Meinung der Experten einfach nur Pressluft in die Wasseruhr zu blasen, auch dann werde sich die Wasseruhr rückwärts bewegen. Prinzipiell würde das auch bei Gaszählern funktionieren, sei aber aufgrund des hohen Sicherheitsrisikos nicht zu empfehlen.

Vom »Kleinen Gustav« raten die Experten ebenfalls ab. Die Methode, mit einem Elektromagneten den Zähler anzuhalten, sei bei den neuen Zählern nicht mehr möglich. Man müsse dafür schon eine erhebliche Feldstärke erzeugen, die jedoch so heftig sei, dass vorbeifahrende Autos an der Hauswand kleben bleiben würden.
Die im Kiezjargon als »Kreuzberger Bremse« be­kannte Methode, den Stromzähler aufzubohren und mit einem kleinen Draht, der durch das Loch gesteckt wird, das Rad des Zählers zu stoppen, ist den Ratgebern zufolge ebenfalls ein Auslaufmodell. Denn nach kleinen Löchern in den Zählern fahnden die Stromdetektive schon seit Jahren.
Einig sind sich die Experten allerdings nicht darüber, ob professionelle Operationen an den Strom- und Wasserzählern von Laien wirklich ohne Gefahr für Leib und Leben zu bewerkstelligen sind. Denn wer die Funktionsweise von Zwischenzählern, Mittelspannungsanlagen oder Niederspannungsfreileitungen nicht verstehe, könne in Teufels Küche kommen. Experten raten: Wer eigenmächtig Stromzähler manipulieren will, sollte vorher den vierten Band des einschlägigen Standardwerks »Leitfaden der Elektrotechnik« durcharbeiten, in dem Melchior Stöckl die »Elektrische Messtechnik« beschreibt.
Der einfachste Tipp, den die Energiesparexperten zu geben wissen, lautet: einfach mal den Ableser fragen. Erwische man einen auskunftsfreudigen Ableser, der mit seinem fachmännischen Wissen prahlen wolle, könne man in den Genuss einer Einführung in professionelles Stromsparen kommen, ohne auf den Komfort von Heizkissen und täglichem Vollbad verzichten zu müssen.

Wer sich jedoch weder auf seinen Dilettantismus noch auf die Eitelkeit des Ablesers verlassen wolle, der könne sich für ein paar Euro einen gewerblichen Service mieten. Dafür sei lediglich die richtige Connection nötig, um die entsprechende Telefonnummer herauszufinden.
Kein Experte für illegales Stromsparen gibt jedoch einen Stromspartipp ab, ohne auf den Paragraphen 248c, »Entziehung elektrischer Energie«, aufmerksam zu machen. Dort wird festgehalten, dass jemand, der sich rechtswidrig Strom aneignet, mit einer Freiheitsstrafe bis fünf Jahren belangt werden kann.