Aufregend wie ein Diaabend

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»Irgendwie« und »keine Ahnung«. Müssen diese beiden Lieblingsworte der Berliner HausbesetzerInnen-Szene jetzt sogar zwischen zwei Buchdeckel gequetscht werden? Und soll man dafür 18 Euro hinblättern?
Die Verlagswerbung zu Heide Kollings Buch »Honig aus dem zweiten Stock – Berliner Haus­projekte erzählen« ließ etwas anderes erwartet. Texte über konkrete Hausprojekte und Gespräche, die die nun bald ins vierte Jahrzehnt gehen­den Erfahrungen in all den unterschiedlichen besetzten Häusern in der Stadt reflektieren. Doch stattdessen hält man einen künstlerisch aufgemachten Foto- und Textband in den Händen, der nichts erzählt. Die vier vorgestellten Haus­projekte haben keinen Ort und keine Adresse. Ein gutes Dutzend Personen schildern collagenhaft ihre Befindlichkeiten, doch erfährt man nicht einmal ihre Namen. Was sollen einem die­se außerhalb jeglicher sozialer Situation in Hochglanz aufgenommen Gesichter sagen? Sie reihen sich ein in die vielen bunten Fotos voll toter Stilleben aus den Hausprojekten, mit Haus­putzplänen, Klo- und Zahnbürsten.
Die Autorin will »Einblicke« gewähren. Doch weder die Bilder noch die Texte weisen über das Niveau eines privaten Familienalbums hinaus. Nur dass es eben ein paar mehr Freunde und Freundinnen sind.

Heide Kolling: Honig aus dem zweiten Stock. Berliner Hausprojekte erzählen. Verlag Assoziation A, Berlin 2008, 128 Seiten, 18 Euro