Putsch für die Demokratie

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»Es werden bald demokratische Präsidentschaftswahlen stattfinden«, versprachen die Militärs der mauretanischen Bevölkerung vergangene Woche, einen Tag nachdem sie durch einen Putsch die Macht ergriffen hatten. Ein konkretes Datum nannten die Putschisten unter der Führung von General Mohammed Ould Abdel Aziz nicht, die Bevölkerung scheint aber der Militärjunta zu vertrauen. In der Hauptstadt Nouakchott wurden die Militärs als »Retter« der Institutionen des Staats gefeiert, die durch die Politik des gestürzten Präsidenten Sidi Ould Cheikh Abdallahi in Gefahr geraten seien.
Nach dem Ende einer 20jährigen Diktatur in Mauretanien war Abdallahi 2007 aus den ersten demokratischen Präsidentschafts­wahlen als Sieger hervorgegangen. Zu seiner Festnahme durch das Militär in der vergangenen Woche führten eine Rebellion innerhalb der Regierungspartei sowie ein politischer Kon­flikt mit dem Parlament und der Armee. Dem Präsidenten werden eine Annäherung an radikale Islamisten, Beziehungen zu früheren Mit­gliedern der Diktatur, Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen. Die politische Krise hatte sich durch den Anstieg der Lebensmittelpreise und die islamistischen Terroranschläge im Frühjahr verschärft.
Während Abdallahi sich weiterhin in der Gefangenschaft des Militärs befindet, ließen die neuen Machthaber den Ministerpräsidenten Yahya Ould Ahmed al-Waghef sowie drei weitere Mitglieder der gestürzten Regierung Anfang der Woche wieder frei.   fm