Grandioser Schluss

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Alle hören das Album des schwedischen Esbjörn Svensson Trios jetzt nur noch als musikalisches »Vermächtnis«. Kurz nach Fertigstellung von »Leu­cocyte« ertrank der Pianist und Hobbytaucher Esbjörn Svensson bei einem Tauch­unfall in der Nähe von Stockholm. Und bei aller Skespsis ist es nicht zu leugnen, dass das Album wie ein akustischer Abschiedsbrief aufgebaut ist. Leukozyten, das sind die weißen Blutkörperchen, die unser Immunsystem aufrecht erhalten. Auf dem Cover der CD fragmentiert sich dieses Schwarz auf Weiß gedruckte Wort von Zeile zu Zeile ins Unlesbare – eine Wiederholung, die in die finale Dekonstruktion führt. Am Ende steht das Titelstück, ein klang­liches Endspiel in vier Sätzen.
»Ab Initio« hört sich schon nicht mehr wie Jazz an – sondern eher so, wie man sich wohl fühlt, wenn man nach einem Autounfall in die Intensivstation eingeliefert wird und nur noch Geräuschfetzen wahrnimmt. »Ad Interim« besteht schlicht aus einer Minute Stille. Exitus. Mit »Ad Mortem« und »Ad Infinitum« schließlich befinden wir uns bereits in einer anderen Sound­dimension, die nur noch aus tranceartigen Echos von Klaviertonfetzen besteht. Das hört sich wirklich an wie eine musikalische Nah­tod­erfahrung.
Der Weg ins Nichts führt über eine »Premonition« (Vorahnung) zu Beginn, die über 17 Minu­ten währt und in aggressive Snaredrumsalven mündet. Die radikale Intensität dieses Stücks erinnert an Jimi Hendrix’ »Machine Gun« (1970). Kurz: Für ein Klaviertrio ist das wirklich ein grandioser Schluss.

Esbjörn Svensson Trio: Leucocyte (ACT 2008)