Über den Präsidentschaftskandidaten Peter Sodann

Eine Seele von Kommissar

Peter Sodann ist nicht nur unfreiwillig komisch. Er plaudert auch aus, welche Demokratie sich die Linkspartei vorstellt.

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Unter Claudia Roth (Grüne), Guido Westerwelle (FDP) und etlichen Kommentatoren geht die Angst um: Peter Sodann, den die Linkspartei als Kandidaten für die Bundespräsidentschaft angemeldet hat, könne »das Amt beschädigen«. Die Aufgeregten kann man beruhigen: Das Amt des Bundespräsidenten ist sehr robust. Nicht einmal Karl Carstens (SA, NSDAP, CDU, Villa Hammerschmidt) konnte ihm etwas anhaben.
In manchen Dingen wäre Sodann sogar ein Garant für Kontinuität. Gierige Manager, Banker und anderes Finanzgesindel verabscheut er, Horst Köhler, der ehrliche Mann von der Sparkasse, hat für sie auch nichts übrig. Erst im Mai geißelte Köhler das Finanzsystem als ein »Monster, das in die Schranken gewiesen werden muss«. Dem dürfte sich Sodann anschließen. Von Köhler müsste er sich in der Ideologieproduktion noch das Blumige abschauen: Zwar muss stets erkennbar sein, was und wer gemeint ist, dennoch sollten gewisse Uneindeutigkeiten die Phantasie der Adressaten beflügeln.
An Phantasie mangelt es Sodann aber keinesfalls. Zur Beschreibung seiner Person hat er die Kategorie des »betenden Kommunisten« erfunden. Und als »Polizeikommissar von Deutschland« würde er, der ehemalige Fernsehpolizist, Josef Ackermann, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, verhaften. Lustig ist Sodann schon, auch wenn er es selbst nicht merkt.
Doch der Mann ist auch so knarzauthentisch, wie es nur ein Gesinnungsostler sein kann (»Ich liebe einfach Sachsen, Meißen und Weinböhla«). Wenn er von »zwei Gruppen« in Deutschland spricht, den »Reichen« (böse) und den »Armen« (gut), plappert aus ihm der aufrichtige Zorn des kleinen Mannes. Diesem wäre Sodann ein gutes Staatsoberhaupt, denn er weiß: »Der Bundespräsident muss die Seele seines Volkes ausdrücken können.« Und wenn ein Bundespräsident/Volkskommissar Sodann durch die Lande tingelte, um hier jemanden zu verhaften und dort etwas zu enteignen, dann stellte sie sich ein, die Demokratie, wie sie sich der Kandidat vorstellt: der Souverän als Vollstrecker des Volkszorns. Selbstverständlich träte Sodann niemals überheblich auf, sondern eher im Stil seiner Rolle als Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher: als stiller Arbeiter, der auf Sächsisch über die schlechte Welt schimpft. Also als eine Art Blockwart.
Sodanns Machtphantasie wird in der Linkspartei geteilt. Oskar Lafontaine würde auch gern zur Verhaftung schreiten, denkt aber »nicht nur an Ackermann, sondern an viele andere«. In der Partei weiß man freilich, dass Sodann nicht Köhlers Nachfolger wird. Dennoch ist der Schauspieler mehr als ein skurriles Werbemaskottchen, das die »Linke« im Wahljahr 2009 auf einem weiteren Gebiet im Gespräch hält. Wie selbst die »Linkszeitung«, ein Online-Fanzine der Partei, zugeben musste, ist Sodann »weder sonderlich medial oder diplomatisch versiert«. Das gilt auch für die meisten Vertreter der »Linken«. Die »Seele des Volkes« können sie zwar schon »ausdrücken«. Doch an den politischen Techniken mangelt es noch. Da kann man nicht genug Anschauungsmaterial haben und von Sodann lernen, wie man es nicht macht. Schließlich sollen Vertreter der Partei der Volkskommissare und Blockwarte irgendwann wirklich die hohen Ämter der Republik besetzen.