Herzt!

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Der letzte linke Student macht sich Sorgen. Sorgen macht sich der letzte linke Student, denn: man ist vom Kapitalismus umzingelt. Man: ist auch er. Das heißt: wo man geht und steht: Kapitalismus. Der kleine Laden: im Kapitalismus. Die Lehre an der Universität: kapitalistisch. Und selbst die Hose: aus kapitalistischem Stoff. Ganz selten sogar: fürchtet der letzte linke Student, dass er in sich drin auch schon kapitalistisch sein könnte. Doch: das geht gar nicht, dass der letzte linke Student in sich drin kapitalistisch ist. Denn a) wäre er ja dann kein letzter linker Student mehr. Und b) ist der Körper ganzheitlich. Und die Ganzheitlichkeit: ist wie ein Panzer. Ein Panzer: gegen das Böse und Schlechte.
Doch: die Filme und die Bücher und die Platten und die Zeitungen sind nicht ganzheitlich. Darum: sind auch sie kapitalistisch. Sie sind nämlich: voll die Ware. Und Waren sind: keine einfachen Dinge mehr. Sondern vielmehr: besudelte Dinge. Besudelt: mit einem Wert. Und ein Wert: ist aus Geld!
Das aber heißt: selbst die linken Bücher sind keine richtig linken Bücher mehr. Sondern auch: rechts irgendwie. Daher weiß der letzte linke Student: »Wir dürfen uns nicht länger beengen lassen von den Waren. Wir dürfen den Waren auch keinen Glauben schenken. Wir müssen allein an das glauben, was wir im Herzen tragen. Denn das ist durch unsere Ganzheitlichkeit gegen allen Kapitalismus geschützt.« So schreibt es der letzte linke Student in sein besonderes Notizbuch. Und wie immer ist es nicht nur nicht falsch. Nein, richtig ist es auch! Und auch wir sollten uns nicht mehr durch die Bücher verblöden lassen, sondern endlich mal ganz und gar zu uns selbst kommen!