Khatami in Freiburg

Ein Mullah im Münster

Der ehemalige iranische Präsident Khatami wurde in Freiburg freudig empfangen.

Anzeige

Die Gernegroßstadt Freiburg war vorige Woche ganz aus dem Häuschen. Endlich einmal Besuch von internationalem Rang! Dass es sich dabei um den früheren iranischen Präsidenten Moham­med Khatami handelte, war kein Zufall. Denn Freiburg unterhält als einzige Stadt Deutsch­lands eine Städtepartnerschaft mit einer iranischen Stadt, mit Isfahan. Schon deshalb überboten sich die Lokalgrößen in Lobpreisungen des Gastes. Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) hob hervor, dass der Iran während Khatamis Präsidentschaft einen Weg gegangen sei, der durch »mehr Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit für die Menschen« charakterisiert war. Universitätsrektor Hans-Jochen Schiewer würdigte Khatami als »bedeutenden Theologen und Philosophen«, der stets den Ausgleich mit dem Westen suche. Die Badische Zeitung wollte nicht zurückstehen: »Ein Mullah im Münster« meldete sie angetan vom »Hoffnungsträger«, der den so dringend nötigen Dialog zwischen den Religionen und Kulturen führe.
Als »Reformer« gilt Khatami allerdings zu Unrecht. In seine Regierungszeit von 1997 bis 2005 fielen Hunderte Hinrichtungen und Steinigungen, die gewaltsame Niederschlagung der iranischen Studentenbewegung und das Verbot zahlreicher Medien. Israel bezeichnete er als »alte, nicht heilbare Wunde im Körper des Islam, eine Wunde, die wirklich dämonisches, stinkendes und ansteckendes Blut besitzt«. Eine Ansicht, der Khatami durch Unterstützung der Hizbollah Nachdruck zu verleihen wusste. Der wichtigste Unterschied zu seinem Nachfolger Mahmoud Ahmadinejad ist, dass Khatami sich auf internationalem Parkett rhetorische Zurückhaltung auferlegte.
Dass der Mann ein treuer Repräsentant des iranischen Regimes ist, hatten zuvor Mitglieder der Kampagne »Stop the bomb« bei einem Besuch Khatamis in Wien betont. In Freiburg wollte das außer ein paar Leuten von Amnesty International und der Israel-Solidarität kaum jemand wissen. Lieber feierte man Khatamis Vortrag in der Universität zum Thema »Dialoge zwischen der islamischen und der westlichen Welt: Möglichkeiten und Hindernisse«. Außer einem Rilke-Zitat hatte er nichts von Belang zu sagen. Aussagekräftig war etwas anderes: Die zwei einsamen exiliranischen Zwischenrufer, die Khatami einen »Mörder« und »Faschisten« schimpften, wurden umgehend von iranischen Bodyguards aus dem Saal geworfen. Der erste, der dafür demonstrativ Beifall klatschte, war Gernot Erler (SPD), Staatsminister des Auswärtigen Amtes und einer der Verantwortlichen für die deutsche »Dialogpolitik« gegenüber dem Iran. Erler war in diesem Moment der authentische Repräsentant eines Staats, dessen Kultur- und Politikbetrieb den Überbau für die diesjährigen Rekordexporte in den Iran liefert.