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Die Briten haben ja immer etwas auszusetzen an den Deutschen. Drum lieben wir sie so. Diesmal geht’s um »unsere Jungs«, sprich um die Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan. »German soldiers are ›too fat to fight‹ Taliban because they drink so much (while our boys go dry)«, titelte die Zeitung Daily News. Einer Studie der Bundeswehr zufolge sollen deutsche Soldaten in Nordafghanistan im Jahr 2007 exakt 1,7 Millionen »Pints« (ungefähr ein halber Liter) Bier und 90 000 Flaschen Wein getrunken haben. Während britischen und US-amerikanischen Truppen jeder Konsum von Alkohol untersagt sei, dürften die Deutschen täglich zwei Bier trinken, klagt die Zeitung. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2008 hätten die deutschen Schluckspechte bereits 896 000 Pints Bier gekippt. Man sieht: Die Ausbildung im Grundwehrdienst ist also doch nicht ganz umsonst.
In der Studie sei auch davon die Rede, dass die Bundeswehr-Soldaten »von Bier und Würstchen« lebten, während sie Obst und Gemüse mieden. 40 Prozent des deutschen Personals in Kundus sei übergewichtig.
Sind die Deutschen also einfach zu fett, um gegen die Taliban zu kämpfen? Der in der vergangenen Woche abgelöste Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, machte in einem Gespräch mit der Welt eher die schlechte Ausrüstung der Soldaten verantwortlich. Insgesamt kritisierte aber auch er die Effizienz des Bundeswehreinsatzes. Die Bundesregierung messe »insbesondere dem zivilen Aufbau und der Polizeiausbildung« zu wenig Bedeutung zu. Dabei gilt doch vor allem diese immer als der ganze Stolz der Bundesregierung. Dazu Gertz: »Wenn Wolfgang Schäuble behauptet, unter deutscher Leitung seien 24 000 afghanische Polizisten ausgebildet worden, ist das ein Witz. Mit 40 deutschen Polizisten, die jeweils im Jahresschnitt in Afghanistan sind, ist das gar nicht zu bewältigen.« Die Zahl 24 000 sei eine »Mogelpackung«.
Wie auch immer. Wenn die deutschen Soldaten wirklich einen Beitrag zur Demokratisierung und damit zur Zurückdrängung des Sharia-hörigen islamischen Fundamentalismus beitragen wollen, wie wäre es, wenn sie den Taliban einfach das beibrächten, was sie am besten können: saufen.

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