Auf Händen getragen

Auf Händen getragen werden – diese Erfahrung machte eine ältere Frau am vergangenen Samstag, allerdings gegen ihren Willen. Sie beteiligte sich im Berliner Stadtteil Lichtenberg an einer Sitzblockade, mit der mehrere hundert Demon­stranten versuchten, einen Nazi-Aufmarsch aufzuhalten. Bereits im sechsten Jahr in Folge zogen die Nazis mit der Forderung nach einem »nationalen Jugendzentrum« durch Berlin. Die Polizei hatte Proteste in Sicht- und Rufweite untersagt. Den etwa 1 600 Polizisten gelang es aber wegen der großen Zahl der Gegendemonstranten nicht, diese von den Nazis zu trennen. Bei Zusammenstößen flogen Flaschen, Stöcke und andere Gegen­stände. Die Polizei setzte u.a. Wasserwerfer ein, um den Nazis den Umzug zu ermöglichen. Mit den Vorfällen beschäftigte sich am Montag auch der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Nach Angaben von Benedikt Lux, eines Abgeordneten der Grünen, sollen Polizisten »bei Straftaten von rechter Seite weggeguckt haben«.

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