Subversive Salami

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Merkt eh keiner: Statt teuren österreichischen Wein schenkt der Wirt bulgarischen Wein zu 18 Cent je Liter aus. Was er selbst nicht ahnt: Die osteuropäischen Angestellten, die er tagsüber herablassend behandelt, haben ihrerseits ein System ausklügelt, um kiloweise Salamistangen, Schinkenbeine und kostbare Weine durch die Hintertür verschwinden zu lassen. Die Wiener Künstler Peter A. Krobath und Bernhard Halmer haben zahlreiche Anekdoten dieser Art zusammengetragen, von anonymen »Täterinnen und Tätern« detailliert erzählt. Es geht um unauffälliges Abzweigen, notwendiges Aufbessern und um manchen Job, der so langweilig ist, dass kriminelle Phantasie die einzige kreative Herausforderung dabei darstellt.
Aber Sabotage? Eine handelsübliche Erpressung, wie sie der schlechte Schiffskoch in einem Kapitel gegen seinen Kapitän ins Werk setzt, ist noch kein »subversiver Akt«. Die alltägliche kleine Korruption, die ein Polizist lakonisch schildert, ist vom Sand-ins-Getriebe-Streuen wohl eher das Gegenteil. Und natürlich stehen die kleinen Tricks findiger Kfz-Mechaniker, die statt neuer Ersatzteile gebrauchte einbauen, zu den offiziellen Regeln der Profitmaximierung keineswegs quer, sondern bringen umgekehrt die Geschäfte ihres Meisters erst so richtig zum Brummen. Sabotageakte, wie der Titel des Buches sie verspricht, finden sich darin genau genommen nur wenige. Macht aber nichts. Die kleine Schwindelei steigert natürlich die Auflage.

Bernhard Halmer, Peter A. Krobath: Lexikon der Sabotage. Betrug, Verweigerung, Racheakte und Schabernack am Arbeitsplatz. Sonderzahl, Wien 2008, 184 Seiten, 18 Euro