»Nicht mehr unter den Lebenden«

Mit großen Namen wirbt es sich gut. »In diesem Buch meldet sich auch der jetzige Papst, der damalige Kardinal Josef Ratzinger, mit einem Beitrag zu Wort«, preist der rechtsextreme, österreichische Aula-Verlag seine Publikation »1848 – Erbe und Auftrag« auf seiner Homepage an. Das Buch erschien 1998. Dass der Artikel »Freiheit und Wahrheit« des derzeitigen Papstes darin zu finden ist, hat in Österreich in den vergangenen Tagen für Diskussionen gesorgt. Erich Leitenberger, der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, nimmt Stellung zu dem Fall.

Anzeige

Dem Aula-Verlag zufolge ist der Text des Papstes zum Abdruck zur Verfügung gestellt worden. Handelt es sich um einen autorisierten Nachdruck?

Die Verantwortlichen der katholischen Zeitschrift Communio, in der der Essay schon 1995 erschienen ist, sagen, es liege keine Anfrage des Aula-Verlags aus diesen Jahren vor. Nach unseren Erhebungen wurde der Text aus der Communio einfach so vom Aula-Verlag übernommen.

Wird die katholische Kirche rechtliche Schritte einleiten, da es sich ja anscheinend um einen nicht autorisierten Nachdruck handelt?

Solche Zugriffe ereignen sich tagtäglich, gerade im Fall des Papstes. Es wird wohl keine weiteren Maßnahmen geben, zumal die Sache lange zurückliegt. Der Herausgeber Otto Scrinzi weilt mittler­weile nicht mehr unter den Lebenden, da wäre es ohnehin schwierig mit einer Klage.

Seit wann ist der Fall der katholischen Kirche bekannt?

Wir haben auch erst in der vergangenen Woche davon erfahren.

Wird der Papst eine nachträgliche Honorarforderung an den Aula-Verlag stellen?

Der Verlag dürfte nicht viel an dem Buch verdient haben. Er steht der FPÖ nahe, diese wiederum beruft sich gern auf die Revolution von 1848. Das Buch dürfte eher für innerparteiliche Zwecke bestimmt gewesen sein. Im offenen Buchhandel ist es nie erschienen.