Allein unter Männern

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Ein Ministerium für Gedöns gibt es in Saudi-Arabien nicht. Weil König Abdullah zu der Ansicht gekommen ist, es sei an der Zeit, eine Frau in sein Kabinett aufzunehmen, schuf er eigens einen neuen Posten für Norah al-Faiz. Sie wurde in der vergangenen Woche zur Vizeministerin für Frauenbildung ernannt. Damit nichts schiefgeht, wird also auch weiterhin ein Mann über die Frauenbildung wachen. Bei der Regierungsum­bildung entledigte sich Abdullah überdies zweier extrem reak­tionärer Beamter. Er entließ Sheikh Salih ibn al-Luhaydan, den höchsten Richter des Landes. Der Kleriker sagte im September vergangenen Jahres über die Besitzer von Satellitensendern, die »böse« Programme verbreiten: »Es ist gestattet, jene zu töten, die zum Verderben rufen, wenn sie nicht durch andere Strafen gestoppt werden können.« Auch die Zuschauer, in Saudi-Arabien wohl die Mehrheit der Bevölkerung, erklärte er für »schuldig«. Sehr unbeliebt war Sheikh Ibrahim al-Ghaith, der nun gefeuerte Vorsitzende der Kommission zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters. Die Klagen über die Brutalität der von ihm kommandierten Religionspolizei, die über die Einhaltung der »islamischen« Sitten wacht, hatten sich in letzter Zeit gehäuft.
König Abdullah kann nun hoffen, in der »internationalen Gemeinschaft« seinen Ruf als Reformer zu festigen. Vor allem scheint ihm daran gelegen zu sein, die Kluft zwischen Ideologie und Realität nicht allzu groß werden zu lassen. Die meisten Saudis ziehen »böse« Unterhaltung der Predigt vor, nicht einmal 30 Prozent besuchen einmal pro Woche den Gottesdienst. Dass die Religionspolizisten nicht selten Säumige in die Moschee prügelte, war der Popularität der Monarchie sicher nicht zuträglich. Ähnlich wie unter Präsident Mohammed Khatami im Iran werden nun einige kleine Freiheiten gewährt, an der fundamentalistischen Staatsdoktrin hingegen hält Abdullah fest.   js