Dubai lässt eine israelische Tennisspielerin nicht einreisen

Antisemitischer Doppelfehler

Dubai lässt eine israelische Tennisspielerin nicht einreisen, und in Schweden sollen beim Davis-Cup-Spiel gegen Israel keine Zuschauer zugelassen werden.

Als sowohl der finanzielle als auch der Imageschaden bereits beträchtlich war und die Zukunft des internationalen Tennisturniers in Dubai außerdem in Frage stand, gaben dessen Organisatoren sowie die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schließlich nach: Der israel­ische Profispieler Andy Ram (28) erhielt doch noch ein Visum und konnte am Montag an den Start gehen. Seiner Landsfrau Shahar Pe’er (22) war zuvor die Einreise in den Golfstaat verweigert worden – aus dem einzigen Grund, dass sie Israelin ist. »Wir wollen den Sport nicht po­litisieren, aber wir müssen sensibel sein nach den Vorgängen in der Region«, lautete die Begründung der Veranstalter vor Ort für die Aussperrung Pe’ers. Der Gaza-Krieg bewege »nach wie vor viele Menschen im Nahen Osten«, weshalb Grund zu der Annahme bestanden habe, dass die Teilnahme der Spielerin aus dem jüdischen Staat die Fans »aufgebracht hätte«.
Die offenkundig antisemitisch motivierte Entscheidung, Pe’er kein Visum zu gewähren, stieß auf heftige Kritik. Die Weltranglisten-Sechste Venus Williams beispielsweise sagte: »Alle Spielerinnen unterstützen Shahar.« Larry Scott, der Chef der Profiorganisation der Tennisspielerinnen (WTA), schloss sich an: »Wir haben klare Regeln und eine eindeutige Politik, dass kein gastgebendes Land einem Spieler das Recht verweigern darf, an einem Turnier teilzunehmen, für das er qualifiziert ist.« Die internationale Menschenrechtsorganisation Simon-Wiesenthal-Center forderte sogar den Abbruch der Veranstaltung und erklärte: »Wenn man Israelis aussperrt, kann man das Turnier auch gleich Dubai Apartheid Open nennen.« Die WTA belegte die Organisatoren schließlich mit einer Strafe von 300 000 Dollar – der höchsten Geldbuße, die sie jemals gegen eines ihrer Mitglieder verhängt hat.
Darüber hinaus nannte die WTA Bedingungen dafür, dass das Turnier in Dubai auch im kommenden Jahr in den Kalender aufgenommen wird. Die Organisatoren in den VAE müssen Pe’er für 2010 eine Wildcard gewähren und sich ver­pflichten, sämtliche qualifizierten Spieler auch tatsächlich zur Veranstaltung zuzulassen. Allen israelischen Spielern muss zudem mindestens acht Wochen vor den Wettkämpfen die Einreise garantiert sein. »Damit soll ein klares Signal gesendet werden, dass Diskriminierung nicht toleriert wird«, erklärte Larry Scott. »Wir werden nicht erlauben, dass sich diese Situation wiederholt – weder in den Vereinigten Arabischen Emiraten noch irgendwo anders auf der Welt.«
Zuvor hatten bereits der amerikanische Tennis Channel und die Europa-Ausgabe des Wall Street Journal Konsequenzen gezogen: Der Fernsehsender brach die Übertragung ab, und die Zeitung, ein wichtiger Sponsor des Turniers, zog ihre finanziellen Zusagen zurück. Nicht minder schwer dürfte die Veranstalter der Rückzug des Titelverteidigers bei den Männern, Andy Roddick, getroffen haben. Während es Pe’ers Kolleginnen bei mündlichen Solidaritätsadressen beließen und das Turnier in Dubai zu Ende spielten, sagte Roddick seine Teilnahme an den Wettkämpfen aus Protest ab. »Ich bin nicht damit einverstanden, was da passiert ist«, sagte er, »es ist nicht richtig, dass sich Sport und Politik auf diese Weise vermischen.«
Der Visa-Skandal könnte für Dubai einschneidende Folgen haben. Da die Erdölreserven im Steuerparadies, jahrelang die Hauptquelle für den dort allseits sichtbaren Reichtum, nach Schätzungen zwischen 2015 und 2030 erschöpft sein werden, setzt das zweitgrößte Emirat der VAE inzwischen verstärkt auf andere Einnahmemöglichkeiten. In den vergangenen Jahren hat sich Dubai im Zuge dessen vor allem zu einer Art Eldorado des Sports entwickelt: Große Sta­dien und Hallen sowie modernste Trainings- und Ausbildungscenter für Fußball, Hockey, Tennis, Rugby, Schwimmen und Golf sind in Vorbereitung oder bereits gebaut worden. Eu­ropäische Fußballclubs beziehen in Dubai ihr Wintertrainingslager; 2009 und 2010 findet hier die Club-WM der Fußball-Kontinentalmeister statt. Die »Dubai Open«, die als das »Top­tennis-Event des Nahen Ostens« beworben werden, sind mit satten zwei Millionen Euro dotiert; die Tennisprofis geben sich dort jährlich ein Stelldichein.
Das Image Dubais als Sportparadies dürfte nun ernsthaft gelitten haben – nicht nur bei den Tennisverbänden und -spielern. Hintergrund des Geschehens um Shahar Pe’er ist, dass die VAE Israelis und Personen, in deren Reisepass sich ein israelischer Stempel befindet, grundsätzlich die Einreise verwehren. Und das werde sich auch nicht ändern, wie Sultan Al-Qortasi, Konsularchef im Außenministerium, ausrichten ließ: Andy Ram sei lediglich »eine spezielle Einreiseerlaubnis« erteilt worden; damit sei jedoch »keine Veränderung im Verhältnis der Emirate zu Israel verbunden«. Bleibt es dabei, ist es nach den jetzigen Protesten, Geldstrafen und Auflagen schwer vorstellbar, dass das Tennisturnier ein weiteres Mal in Dubai stattfindet. Und auch andere internationale Sportverbände werden über ihre Entscheidung, dort Wettkämpfe auszutragen, möglicherweise nochmal nachdenken.
Um Zwischenfälle wie nicht erteilte Visa zu vermeiden und israelischen Startern die reibungslose Teilnahme an internationalen Wettbewerben vom Fußball-Pokal bis hin zum Song Contest zu ermöglichen, wird Israel in aller Regel Europa und nicht dem Nahen Osten zugerechnet. Ausgerechnet im als weltoffen geltenden Skandinavien kam es nun jedoch zum Eklat: Beim Davis-Cup-Match zwischen Schweden und Israel vom 6. bis 8. März ist kein Publikum zugelassen. Die Stadtverwaltung des Austragungsortes Malmö schob Sicherheitsbedenken wegen angekündigter Proteste linker Palästinenser-Freunde als Grund vor – einer der Wortführer der hauptsächlich den Regierungsparteien angehörenden Protestierer ist der Vorsitzende des Malmöer Stadtrats
Die Gruppe »Stoppa Matchen« (Stoppt das Match), die auf ihrem Blog nebenher zum Boykott Israels aufruft, hatte schon seit Wochen alles daran gesetzt, die Davis-Cup-Begegnung zwischen den schwedischen und den israelischen Tennisprofis zu verhindern. Ilmar Reepalu, sozialdemokratischer Stadtratsvorsitzender in Malmö, hatte immer wieder erklärt, es gehe ihm dabei nicht nur um die bevorstehenden Tennis-Matches: »Meiner Meinung nach sollte man generell überhaupt nicht gegen Israel spielen«, hatte er beispielsweise der Tageszeitung Sydsvenskan gesagt und die israelische Intervention in Gaza als Grund genannt. Die Davis-Cup-Begegnung sei eine Provokation für die in Malmö lebenden Araber und daher »kein gewöhnliches Match, sie ist ein Match gegen den Staat Israel«.
Die Initiative »Stoppa Matchen« wurde jedoch keineswegs hauptsächlich von Palästinensern getragen: Zu den Unterstützern gehören die Anführer der Linkspartei »Vänstrepartiet«, die Sozialdemokraten, der Sozialdemokratische Frauenbund sowie die Sozialisten und die Kommunistische Partei KVP.
Die linke Mehrheit im Stadtrat – zu der teilweise genau die Parteien gehören, aus denen »Stoppa Matchen« besteht – erklärte nun, dass man aus Angst vor Ausschreitungen die Davis-Cup-Spiele unter Ausschluss des Publikums durchführen werde. Das Sicherheitsrisiko sei einfach viel zu groß, lautete die Begründung, man könne die Sicherheit der israelischen Spieler nicht garantieren.
Håkan Jarborg Eriksson, für das Match verantwortlicher Einsatzleiter der Malmöer Polizei, hatte dagegen keinen Grund gesehen, das Publikum auszusperren. Er sagte in einem Interview: »Es hat auch früher schon geklappt, Einlasskontrollen und Kartenvorverkauf sicher zu handhaben, wenn man verhindern wollte, dass es in der Arena zu Unruhen kommt.«

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