Handys gegen Polizisten

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Es war ausgerechnet ein Investmentbanker aus New York, der neue Erkenntnisse im Fall des Todes von Ian Tomlinson während der Proteste gegen den G 20-Gipfel brachte. Der US-Manager befand sich am 1. April in der Nähe der Bank of England, als er mit seinem Handy filmte, wie ein Polizeibeamter offenbar Tomlinson von hinten grundlos angreift und ihn zu Boden stößt. Wenige Minuten nachdem die Bilder gedreht worden waren, brach Tomlinson zusammen und starb. Die offizielle Todesursache lautete zunächst: Herzinfarkt. Doch bereits wenige Tage später veröffentlichte der Guardian die vom US-Manager gedrehten Bilder, welche der ursprünglichen Darstellung der Polizei deutlich widersprechen. In einer offiziellen Mitteilung hatte die Metropolitan Police erklärt, Flaschen werfende Demonstranten hätten die Wiederbelebungsversuche der Polizeisanitäter gestört. Die Aufnahmen zeigen dagegen, wie Tomlinson auf dem Bürgersteig sitzt und fassungslos die Arme hebt. Nach der Veröffentlichung der Bilder ordnete die Polizei eine zweite Obduktion der Leiche an; diese ergab vergangene Woche, Tomlinson sei an inneren Blutungen im Unterleib ­gestorben, deren Ursache allerdings noch nicht geklärt sei. Der Beamte, der auf dem Video zu sehen ist, wurde vom Dienst suspendiert. Ob er sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten muss, ist noch offen. Ein weiterer Polizist wurde am Mittwoch aufgrund von im Internet veröffentlichten Videoaufnahmen suspendiert, er soll eine Frau ins Gesicht geschlagen haben. Die un­abhängige Polizeiaufsicht untersucht derzeit einen dritten Vorfall, nachdem britische Medien am Sonntag ein weiteres Video veröffentlicht haben. Derzeit prüft eine unabhängige Untersuchungskommission rund 140 Beschwerden gegen die Polizei im Rahmen des Londoner Gipfels. In vielen dieser Fälle gelten die Handy-Aufnahmen von Demonstranten als Beweismaterial.    fm