»The Last Giants«, ein Dokumentarfilm über aussterbende Wale

Das Meer stirbt

In der Straße von Gibraltar gibt es eine ungewöhnliche Artenvielfalt von Walen. Die Aktivistin Katharina Heyer engagiert sich für ihr Überleben.

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Der Erste, der dem Meer zugestand, sterblich zu sein, war der französische Historiker Jules Michelet. In seiner 1861 erschienenen naturphilosophischen Studie »La Mer« wurden die Metaphern vom Unerschöpflichen, Grenzenlosen und Unzerstörbaren, mit denen man die Wassermassen bis dahin bedachte, dekonstruiert. Für Michelet pfiff la Mer bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts buchstäblich aus dem letzten Loch. Das war bei Michelet keine Metapher. Die Zerstörung der Meere durch die ungebändigte Ausbeutung zeigte sich ihm am Niedergang der Walpopulationen in den Weltmeeren. Zu den praktischen Forderungen seiner Meeresstudie gehörte deshalb ein generelles Walfangverbot. Es dauerte dann noch mal etwas mehr als ein Jahrhundert, bis auf Michelets Rat ein paar Taten folgten. Das mittlerweile von den meisten Industrieländern akzeptierte Walfangverbot könnte sich aber demnächst von selbst erledigen. Denn wenn, wie es Berechnungen zu den Fischpopulationen in den Meeren nahelegen, das Meer im Jahr 2050 leergefischt ist und damit als Nahrungsquelle für Menschen ausfällt, werden auch Wale und Delfine darin kaum noch was zu Essen finden.
Insofern schreibt der am 17. September in die Kinos kommende Film »The Last Giants – wenn das Meer stirbt …« Michelets Arbeit in die Gegenwart fort. Der Dokumentarfilm ist aber keine apokalyptische Weltversion des Endes der Meere, sondern eine kluge Bestandsaufnahme der Situation in der Meerenge von Gibraltar. Dass die Straße von Gibraltar einer der wichtigsten Verkehrswege zwischen Atlantik und Mittelmeerraum ist, war bekannt. Weniger bekannt ist, dass hier jedes Jahr Delfine, Grind-, Finn-, Pott- und Schwertwale in großer Zahl einen Teil ihres Lebens verbringen.
Systematisch dokumentiert wird die außergewöhnliche Ansammlung von Meeressäugern überhaupt erst seit zehn Jahren. Da nahm die Schweizer Tierschützerin Katharina Heyer hier ihre Arbeit auf. Sie setzt sich zwischen Containerschiffen, Frachtern und Fischern für die Erforschung und den Schutz der Wale ein. Der Film begleitet sie dabei erstaunlich unaufgeregt und zeigt nebenbei auch ein paar verhaltensbiologische Kostbarkeiten aus dem Leben der Wale.
»The Last Giants«. Dokumentarfilm von Daniele Grieco. Start: 17. September