»Es gab schon im Vorfeld Drohungen«

Am Sonntag wurde in Hamburg die Vorführung des Films »Warum Israel« des »Shoah«-Regisseurs Claude Lanzmann verhindert. Vor dem Kino B-Movie in der Brigittenstraße kam es zu Schlägereien. Darüber sprach die Jungle World mit Lennart K. von der Gruppe Kritikmaximierung, die den Film präsentieren wollte.

Von Ivo Bozic
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Was genau ist passiert?

Es gab im Vorfeld eine Drohung aus dem Umfeld der B5, das ist eine Bar im Vorderhaus des Kinos, dass es zu Störungen kommen könnte, wenn das B-Movie den Film zeigt. Am Sonntag versammelten sich dort etwa 30 Leute mit Transparenten, die das Tor abschlossen. Sie machten deutlich, dass sie niemanden hineinlassen würden. Wir als Veranstalter mussten die Vorstellung aus Sicherheitsgründen absagen, weil die Stimmung extrem aggressiv war. Die trugen Prügelhandschuhe und Mundschutz. Im Laufe der späteren Auseinandersetzungen haben sie auch zu einem Fahrradschloss und einem Gürtel als Waffe gegriffen.

Es kam zu Gewalttätigkeiten?

Allerdings. Nachdem wir die Vorstellung abgesagt haben, sind nicht alle Gäste sofort gegangen. Die verbliebenen Leute wurden abgefilmt und abfotografiert. Es kam zu Schubsereien und Faustschlägen und schließlich zu einer regelrechten Schlägerei. Dabei hat man uns derbe beschimpft, einer von denen geriet so sehr in Rage, dass er uns als »Judenschweine« bezeichnete.

Und diese Störer waren Linke?

Das waren klassische Antiimperialisten. Am Sonntag hatten sich neben der B 5 die »Sozialistische Linke« und die »Tierrechtsaktion Nord« zur Verhinderung des Films zusammengefunden.

Was hatten die gegen die Vorführung dieses Films?

Sie haben das offenbar als Provokation empfunden, dass ein Film mit dem Wort »Israel« im Titel in »ihrem« Hinterhof gezeigt werden sollte. Wir haben uns bis Sonntag aber nicht vorstellen können, dass sich selbsterklärte Linke durch den Film eines antifaschistischen Regisseurs provoziert fühlen würden. Das ist ein unbeschreibliches Armutszeugnis und ein Skandal.