Morgens Pizza

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Ja, Jamie Oliver hat geweint, aber eigentlich war alles doch ein bisschen anders, als es der Spiegel-online-Artikel mit dem Titel »Fastfood-Fans bringen Starkoch Oliver zum Heulen« suggerierte. Denn mit Schwierigkeiten kann der Mann sehr wohl umgehen, wie er schon im Konflikt mit jenen Eltern bewiesen hatte, die seiner Initiative für gesünderes Schul-Essen in Großbritannien mit Empörung begegnet waren. An dem, was in den Kantinen gewohnheitsmäßig serviert wurde, sei nichts auszusetzen, hatten Väter und Mütter erklärt und den Fettfraß unter Verweis auf Selbstbestimmung und Traditionen verteidigt. Auf das, was Oliver nun in den USA erwartete, war er trotzdem nicht vorbereitet.
Ausgesucht hatte er sich für die Doku-Serie »Jamie Oliver’s Food Revolution« eine ganz besondere Stadt, nämlich Huntington, die offiziell als der ungesündeste Ort Amerikas gilt. Die Hälfte der Einwohner ist monströs fettleibig. Und das wollte Oliver ändern, indem er beim Schulessen ansetzte. Was sich als überaus schwierig erwies, denn den Kindern wird in den Schulen ausschließlich Fastfood, u.a. Pizza zum Frühstück, vorgesetzt – was sogar den Richtlinien der dafür zuständigen Behörden entspricht. Das erste von Oliver konzipierte Mittagessen wurde dann mittels dieser Regeln auch gleich moniert, denn Hähnchenschenkel, Gemüse und Reis erwiesen sich als nicht zulässig, weil die vorgeschriebenen zwei Broteinheiten fehlten. Schnell wurden pappige Hamburger-Brötchen aufgetaut. Und Oliver heulte trotzdem immer noch nicht.
Der Grund für ein paar spärliche Tränen war vielmehr ein gehässiger Bericht der örtlichen Zeitung, in dem seine Statements aus dem Zusammenhang gerissen worden waren, was zu heftigen Reaktionen des ohnehin äußerst feindseligen Küchenpersonals der Schule geführt hatte. Bloß wegen Fastfood heulen Starköche nämlich nicht.