Über Kinky Friedman

Why the Hell not

Über den schwarzen Humor des Cowboys und fröhlichen Anarchisten Kinky Friedman.

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Es ist keine Schande, aus Texas zu kommen, es ist nur eine Schande, dahin zurückzukehren«, lautet eine der grandiosen Sottisen von Kinky Friedman. Und darin liegt eine schöne Selbstironie, denn den »jüdischen Cowboy«, Country-Sänger und Krimiautor verschlug es nach langen Jahren on the road und in New York wieder nach Texas, weil er inzwischen jeden kennengelernt hatte, den er kennenlernen wollte, um am 7. November 2006 als unabhängiger Kandidat bei den Gouverneurswahlen ins Rennen zu gehen.
Wenn er auch nur Vierter wurde, konnte er doch immerhin knapp 13 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen, und es ist zweifelhaft, ob es so viele Leute in Bayern gibt, die einen Mann wählen würden, der sich von Berlin aus so gemein und hinterhältig über die Südprovinz geäußert hat, nicht einmal wenn die Wahlbeteiligung nochmal um die Hälfte niedriger wäre als in Texas, wo traditionell kaum jemand Lust hat, seine Stimme irgendeinem korrupten Schwein zu geben, das behauptet, durch seine Politik würde alles besser. Und noch weniger hätten sie ihn gewählt, wenn sie gewusst hätten, dass sie diesen Mann Groucho Marx zu verdanken hatten, der Kinky den Rat gegeben hatte: »Geh zurück nach Texas.«
Kinky Friedman hatte keine Chance, aber er nutzte sie, auch wenn er hinter seinen drei Kontrahenten zurückblieb. Vorher hatte er in einem Interview gesagt, er werde sich beleidigt auf seine Farm zurückziehen und Ziegen züchten, wenn er gegen den unbeliebten Amtsinhaber Rick Perry verlöre, was schlimm wäre, aber noch nicht sooo schlimm. Würde er gegen den Demokraten Chris Bell den Kürzeren ziehen, würde er mit Barbra Streisand nach Frankreich ziehen, und das wäre schon weit schlimmer, und als Dialog in einer Sitcom käme jetzt Zuschauergelächter aus dem Off, aber Barbra Streisand ist sowieso ein dankbares Opfer von »South Park«, und auch in der Verfilmung von »Fear and Loathing in Las Vegas« bekam sie schon ihr Fett ab. Würde er schlechter als die Finanzministerin Strayhorn abschneiden, was würde dann die Streisand-Num­mer toppen? Dann bliebe nur noch, so kündigte Kinky an, sich den Kopf wegzuballern.
Er hat dann Gott sei Dank keine der drei Optionen gewählt. Seine Fans, die er überall auf der Welt hat, wünschen sich jedenfalls, dass er wieder Krimis und Songs schreibt. Trotz seiner Berühmtheit über die Grenzen des Landes hinaus war Kinky den Texanern nie ganz geheuer. Sie misstrauten der an die Schlange Ka erinnernden schnurrenden Versicherung, mit der Kinky warb: »Wählt mich! Mir könnt ihr vertrauen, ich bin Jude.« Abgesehen davon jedoch dürfte der gewöhnliche Wähler allerdings nichts an ihm auszusetzen haben, denn er ist mit allen Insignien ausgestattet, die einen Cowboy ausmachen, er hat einen Cowboyhut auf, trägt einen Cowboyschnurrbart und Cowboystiefel, und auch dass er für legalisiertes Glücksspiel eintritt, war okay, wenngleich weniger, weil Kinky die staatlichen Erlöse in das marode Bildungssystem stecken wollte, sondern vielmehr wegen seiner Begründung, dann nicht mehr extra nach Las Vegas fahren zu müssen, um seiner Spielleidenschaft zu frönen.
Gegen die Homo-Ehe hatte er nichts einzuwenden, weil die Schwulen das gleiche Recht auf das Elend der Zweisamkeit haben sollten wie die Heteros. Rick Perry warf er vor, nur dauernd gegen die Schwulen-Heirat zu plärren und dabei Gott als Marketingtrick zu benutzen. Dennoch dürfte das dem gemeinen Texaner trotz der originellen Begründung schon weniger geschmeckt haben. Und dass der alte Kiffer Willie Nelson in Kinkys Schattenkabinett zuerst Chef der Texas-Rangers werden sollte und später Umweltminister – »energy czar«, wie Kinky sagte –, weil der seinen alten Tournee-Bus mit Bio-Diesel tankte und weil es schließlich darum gehe, mit gutem Beispiel voranzugehen, dürfte dem eingeborenen Texaner auch nicht geheuer gewesen sein. Für den gehört ein Sprit fressender Highwayschlitten nämlich zum Way of Life.
Aber was heißt hier »nur« 13 Prozent, wie man nach der Wahl aufatmend konstatierte, weil zum Glück alles seinen gewohnten Gang ging? Es ist ein erstaunliches, ein großartiges Ergebnis, und man kann nur ein Loblied auf den Texaner singen. So dumm, wie man in Deutschland annimmt, dass der Texaner sei, ist er offensichtlich nicht. In Deutschland würde Kinky nicht mal 0,13 Prozent kriegen. Hier wäre er schon mit seiner Äußerung »ich weiß nicht, wie viele Anhänger ich habe, aber sie sind alle bewaffnet« durchgefallen, dabei macht sich Kinky gar nichts aus Waffen und hat nicht mal zu Hause im Wandschrank eine, um sich für den Ernstfall gegen eine Invasion der Schlitzaugen oder der Muslime zur Wehr zu setzen, oder wer immer gerade ganz oben steht auf der Liste der Feinde Amerikas.
In den Umfragewerten lag Kinky am Ende des Wahlkampfs sogar mal bei 21 Prozent, die Texas Monthly feierte das Ganze als die »verrückteste Gouverneurswahl aller Zeiten«, und die Dallas Morning News befürchtete: »Das Rennen ist völlig offen.« Endlich war da jemand, der die langweilige Angelegenheit des Wahlrituals kräftig durcheinanderbrachte, was gegenüber dem öden Demokraten Chris Bell und dem öden republikanischen Amtsinhaber Rick Perry, der wegen seiner stets einwandfreien Frisur als »Gouverneur gutes Haar« bespöttelt wird und Kinky zufolge einen »Humor-Bypass« hat, relativ einfach war. Wenn man es drauf hatte, und Kinky hatte es drauf.
Im Wahlkampf umschwärmten die Medien Kinky, weil er immer einen witzigen Slogan oder einen sarkastischen Kommentar auf den Lippen hatte. »Den Gouverneur macht es krank, die ganze Zeit von Idioten beobachtet zu werden. Auf der anderen Seite kann ich der Möglichkeit doch einiges abgewinnen zu sagen: ›Der Gouverneur möchte eine Zigarre! Der Gouverneur möchte einen Drink!‹« Solange er chancenlos war, waren die Medien bereit, darüber zu schmunzeln, aber trotzdem stieß er damit nicht wenige Leute vor den Kopf. Und einordnen ließ er sich auch nicht. Eigentlich war er für einen Gouverneursposten nicht im Geringsten geeignet, weil er dem Wahlkampf einfach nicht den nötigen Ernst entgegenbringen konnte. Auf Tour in Dallas, wohin er mit einem gigantischen weißen Geländewagen chauffiert wurde, murmelte er: »Das ist doch Selbstmord. Jesus, das kann ein echtes Gefängnis sein. Was ist eigentlich mit all diesen Sicherheitsleuten los, die in ihre Hemdmanschetten sprechen? Was soll das denn?« Und dann parodierte er sie: »Roger, roger, zehn-vier: Drecksack 1 bewegt sich. Wiederhole: Drecksack 1 bewegt sich.«
Seine Positionen sind oft schräg und nie so eindeutig wie die der Politprofis, die kein Problem damit haben, etwas zu versprechen und es dann doch nicht zu halten. Den Linken ist er zu reaktionär, den Rechten zu unangepasst, und allen ist er zu abgefahren. Er versprach, wenn er gewählt werden würde, auch »Gouverneur für die Tiere von Texas« zu sein und die Pferdeschlachthöfe zu schließen, denn die »verdammten Franzosen sollen ihr verdammtes Pferdefleisch gefälligst woanders einkaufen«. Damit hatte er schon mal die Tierschützer auf seiner Seite, wobei Pferdeschlachtung in Texas vermutlich eine andere Bedeutung hat als hierzulande, denn schließlich war das Pferd ursprünglich mal der fahrbare Untersatz, das Fortbewegungsmittel durch die unendlichen Weiten des Landes, und da geht es nicht um irgendeine vom Aussterben bedrohte Krötenart, sondern um ein Wesen von fast schon mythologischer Bedeutung.
Bei Kinkys Haltung zur Todesstrafe hatten die Berichterstatter vor allem in Deutschland eine eindeutige Absage erwartet, ein heroisches Statement, einen flammenden Appell. Aber auch hier enttäuschte Kinky, indem er lediglich zu Protokoll gab, dass jeder Einzelfall genau geprüft werden müsse, womit die Todesstrafe zwar nicht generell, aber mit großer Wahrscheinlichkeit faktisch abgeschafft wäre. Jedenfalls wenn Kinky das letzte Wort hätte, denn man kann sich nicht vorstellen, dass er jemanden über die Klinge springen ließe, weil er so ziemlich alle Höhen und Tiefen des Lebens durchschritten hat, er kennt die Abgründe des Seins, weiß um das menschliche Elend und hat von vornherein einen anderen Zugang zur Frage des Übergangs vom Diesseits ins Jenseits als ein hysterischer Saubermann oder fanatischer Fundamentalist, deren Vorstellungen von einer idealen Gesellschaft auf ihren Ausrottungsphantasien beruhen.
Das macht er auch sehr deutlich in einer Abschweifung über Max Soffar, einen typischen Looser, dessen Leben irgendwann »durch die Ritzen gefallen« war, der seit 23 Jahren unschuldig im Todestrakt sitzt und den er dort besucht hat, um sich alles von ihm erzählen zu lassen. Soffars Fall schildert er ausführlich in seinem letzten Krimi »Zehn kleine New Yorker«, und danach weiß man, dass es kein Um-den-heißen-Brei-Herumreden ist, wenn Kinky sagt: »Warum sollte Texas nur bei der Todesstrafe, den Autobahngebühren und den Haus- und Grundsteuern die Nummer eins in Amerika sein?« Das Problem sei nicht die Todesstrafe, sondern arme Kinder ohne Krankenversicherung, die Luftverschmutzung in den texanischen Großstädten und die Drogenabhängigen in den Gefängnissen, die keine Zelle bräuchten, sondern Therapie und Hilfe.
Auch um die illegale Einwanderung aus Mexiko zu stoppen, hatte Kinky einen Generalplan: Fünf mexikanische Generäle sollten jeweils einen bestimmten Grenzabschnitt gegen ein üppiges »Honorar« von einer Million Dollar dicht machen. Für jeden Illegalen, dem es dennoch gelänge, die Grenze zu überqueren, würden 5 000 Dollar des Schmiergelds wieder abgezogen. »Die Grenze wird undurchdringlich sein«, davon ist Kinky überzeugt. Nicht sehr fein, misst man diesen Vorschlag an dem Ideal, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, überall auf der Welt zu leben. Aber immerhin ein pfiffiger Plan, vor allem wegen seiner Undurchführbarkeit.
Auch Kinkys Position zum Nahost-Konflikt, auf die er natürlich von den Medien angesprochen wurde, erweist sich als mysteriös und irgendwie nicht ganz astrein. Er unterstütze Israel, sagte Kinky, aber nicht, weil er Jude sei, sondern weil die Israelis die Texaner des Nahen Ostens seien, eine etwas rätselhafte Aussage. Meinte er, dass die Israelis genauso von feindlichen Mächten umzingelt seien wie die Texaner? Immerhin gab es auch in Texas mal Unabhängigkeitsbestrebungen, und ein echter Einwohner dieses riesigen Flächenstaates hat mit dem Mutterland sowieso wenig am Hut. Viel Sinn ergibt die Aussage jedoch nicht, was bei Kinky allerdings durchaus vorkommen kann. Oder meinte er, die Israelis seien die Texaner des Nahen Ostens, wie die Texaner die Bayern der Vereinigten Staaten seien, also ein bisschen zurückgeblieben, reaktionär und resistent gegenüber allem Fortschrittlichen, aber durchaus mit einigem politischen Einfluss, wobei die Macht des Gouverneurs in Texas verglichen mit anderen Staaten eher gering ist? Darüber kann man lange grübeln, wenn man denn will. Jedenfalls ist Kinky Friedman für Völkerverständigung, und deshalb werde er nach seiner Wahl zum Gouverneur seinen »palästinensischen Friseur als Botschafter von Texas nach Israel entsenden«.
Und schließlich machte dieser zwielichtige Bursche keinen Hehl daraus, Fans zu haben, die in Deutschland ganz unten durch sind, nämlich Laura und George W. Bush. »Sie unterstützen mich, wenn auch im Untergrund. George W. ist ein guter Mensch, eingeschlossen im Körper eines Republikaners. Laura ist eine Freundin. Sie hat mir einen Brief geschrieben; darin steht, dass sie beide mein T-Shirt tragen, wenn sie ins Fitness-Studio des Weißen Hauses gehen. Aber falsch herum, damit keiner meinen Slogan sieht: ›Why the Hell not?‹«
Vielleicht muss man zugestehen, dass selbst einer der größten Bösewichte der neueren Geschichte manchmal eine nette Seite hat, was nicht heißt, dass man das Urteil über dessen Politik revidieren muss, und wenn, dann nur in diesem einen Fall, als er versprach, den Wahlkampf von Kinky zu unterstützen statt den seines Parteikumpels Rick Perry. Ob er es dann tatsächlich getan hat, weiß ich nicht, aber es zeigt auch, dass Kinky nicht ideologisch vorgeht in der Wahl seiner Bekanntschaften, wenngleich er keine Skrupel hat, sie für seine Zwecke einzuspannen, solange sie ihm ein paar Stimmen bringen können. Es heißt nicht, dass er sich politisch mit Bush gemein macht, den er ja auch »im Körper eines Republikaners eingeschlossen« wähnt.
Das alles macht Kinky für die Konservativen noch lange nicht zu einem hoffähigen und ernstzunehmenden Kandidaten, denn er macht sich über die konservative Seite noch lustiger als über die Linken. Kinky fühlt sich dabei in seiner Rolle als Außenseiter wohl, »als Jude in Texas, als Texaner in New York, als Reaktionär in progressiven Zirkeln und als Progressiver in konservativen Zirkeln« (New Yorker). Oder wie es der Journalist Larry Sloman, aus Kinkys Krimis auch als »Ratso« bekannt, ausdrückt: »Too smart for country, too country for the intelligentsia.« Und Evan Smith, der Herausgeber von Texas Monthly, wo Kinky eine Kolumne hatte, umschrieb das Problem so: »Wenn er so ist, wie wir ihn alle kennen und lieben, riskiert er, nicht ernst genommen zu werden – ist er aber zu ernst, riskiert er, sich nicht von den anderen Jungs zu unterscheiden. Die Leute würden sagen, ›wenn ich einen haben will, der nicht lustig ist, kann ich auch einen von den anderen Kandidaten wählen‹.«
Ein wenig ist Kinky Anarchist, der nach dem Thron greift. Auf die Frage: »Mr. Friedman, warum sollte man Sie zum Gouverneur wählen?« antwortete er: »Das frage ich mich auch. Keine Ahnung. Als ich die Bewerbung bekannt gab, sagte ich: ›Ich brauche eine größere Kleiderkammer.‹ Jetzt muss ich mir eine bessere Begründung ausdenken.« So eine Antwort bekäme man bestimmt nicht von Guido Westerwelle, nicht von Renate Künast und auch nicht von Oskar Lafontaine, die bei den Bundestagswahlen 2009 nicht viel besser abgeschnitten haben. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland, wo seriöse Politik gleichbedeutend ist mit öder Politik, und so sieht der Politiker in der Elefantenrunde auch aus, nämlich genauso retortenhaft und mit computergenerierter Sprache aus dem Legobaukasten, wie der Wähler ihn haben will. Denn ein Politiker entspricht immer dem ideellen Gesamtbild des Wählers, der sich angemessen repräsentiert sieht von der verdrucksten und leicht nagetierhaften Art einer Kanzlerin, deren Kopf immer mehr zwischen ihren Schultern versinkt.
Aber darum soll es gar nicht gehen, sondern um das Phänomen Kinky Friedman. Texas (und nicht nur Texas) hat schon einige Sonderlinge als Gouverneure hervorgebracht hat, zum Beispiel Sam Houston, an dessen Regentschaft Kinky anknüpfen wollte, sowas wie der Gründungsvater von Texas, den man, als man ihm den Gouverneursposten antragen wollte, der Überlieferung zufolge unter einer Brücke fand, wo er vollkommen betrunken zusammen mit Indianern herumlungerte. Ganz zu schweigen vom ehemaligen Catcher Jesse Ventura, der sich in Minnesota durchsetzte und dessen Wahlkampfmanager Bill Hillsman Kinky für seinen Wahlkampf verpflichten konnte, oder eben Arnold Schwarzenegger in Kalifornien. Natürlich heißt das nicht unbedingt etwas Gutes, und Reagan ist das beste Beispiel dafür, dass Schauspieler – die Harry Rowohlt allesamt und nicht zu Unrecht für dumm hält – besser die Finger von der Politik lassen sollten, vor allem, wenn schon ihre schauspielerischen Fähigkeiten begrenzt sind. Jenseits der politischen Weltanschauung aber, die ja nicht deshalb besonders gruselig ist, weil jemand aus dem Show-Business in die Politik einsteigt, sollte man konzedieren, dass in der amerikanischen Geschichte immer wieder außergewöhnliche Menschen in die Politik gegangen sind. Selbst solche Bösewichte wie Nixon, der »Plastikfurz« (Hunter S. Thompson), hatten auf eine gewisse Art Format. In der Ahnengalerie der großen Verbrecher können sie einen Ehrenplatz für sich in Anspruch nehmen.
Kinky Friedman hatte natürlich nicht wirklich eine Chance, aber wenn man bedenkt, dass die Wahlbeteiligung in Texas bei ca. 30 Prozent liegt, hätte er lediglich 15 Prozent der Nichtwähler mobilisieren müssen, um es zu schaffen. Ob es tatsächlich so viele Protestwähler gibt, ist unwahrscheinlich. Aber Leute wie der Schweinefarmer, der zu Kinky sagte: »Du bist keinen Scheißdreck wert, aber du bist besser als das, was wir haben«, sind nicht selten, oder Ace Cook, der Besitzer einer Bierschwemme, der Kinky einen Scheck für seine Kampagne ausstellte mit den Worten: »Ich bin für Dich! Ich hab die Schnauze voll von den ganzen Arschlöchern, die weder mich noch das Volk repräsentieren.«
Sonst allerdings will man vermutlich nicht so genau wissen, was es mit den fast 70 Prozent Nichtwählern auf sich hat, aber Kinky boten sie eine Chance. Und das bei einem Mann, der raucht, trinkt und flucht, was auch in Texas nicht zu den Eigenschaften gehört, die das Wahlvolk an jemandem schätzt, der sich anschickt, Gouverneur zu werden. Schon gar nicht, wenn der Mann für die Legalisierung von Marihuana eintritt und gegen Abtreibung nichts einzuwenden hat. Und tatsächlich sanken schnell seine Umfragewerte, als er auf einer Parade in Dallas im Cabriolet als Gast mitfuhr und vor unschuldigen Kinderaugen gesetzeswidrig eine Dose Bier leerte. Da nützte es ihm auch nichts, mit der Begründung, er sei durstig gewesen, auf verminderte Schuldfähigkeit zu plädieren. Wäre er seinen Konkurrenten wirklich gefährlich geworden, sie hätten genug Munition gegen ihn gehabt, und dabei wären Rauchen, Trinken und Fluchen noch am wenigsten ins Gewicht gefallen. Vor allem seine Bücher wären ein gefundenes Fressen für gegnerische Wahlkampfmanager gewesen, die auf Verleumdung spezialisiert sind.
Diese Form von Rufmord gehört in Amerika zur politischen Mythologie. Speziell in Texas hat die persönliche Diskreditierung Tradition, wovon eine Geschichte zeugt, die Hunter S. Thompson in einer seiner Reportagen erzählt. Sie handelt von einer der frühen Kampagnen des Demokraten und späteren amerikanischen Präsidenten Lyndon B. Johnson. Und zwar wo? Genau, in Texas. »Im Rennen lag er dicht auf mit seinem Gegner, und Johnson bekam es mit der Angst. Schließlich wies er seinen Wahlkampfleiter an, eine massive Gerüchtekampagne zu starten, in der man von der lebenslangen Gewohnheit des Gegners sprach, sich fleischlichen Genüssen mit Schweinen hinzugeben, die sich bei ihm auf dem Hof suhlten. ›Himmel, das können wir uns doch nicht leisten, ihn einen Schweineficker zu nennen‹, protestierte der Campaign Manager. ›Niemand wird uns das abkaufen.‹ ›Weiß ich‹, erwiderte Johnson. ›Aber das soll der Hurensohn erst mal dementieren.‹« Kinky Friedman hätte erst gar nicht dementieren können, weil alles in seinen Krimis stand, und in der Politik spielt die Freiheit der Literatur keine Rolle. Allein die Tatsache, dass er der Verursacher dieser blasphemischen Bücher war, hätte den Gegnern eine Menge Stoff in die Hand gegeben. Und ein Geheimnis war es auch nicht gerade, dass er mit dem Koksen erst aufgehört hatt, als ihm »Bob Marley aus dem linken Nasenflügel fiel« und er auf eine Leiter steigen musste, um sich »am Hintern zu kratzen«.
Kinky ist als Showmensch, der auf der Bühne sogar mal mit indianischem Häuptlingsfederschmuck stand, erstaunlich unprätentiös, wie man in der Dokumentation »Proud to be an Asshole from El Paso« sehen kann. »Die Kleiderfrage bringt mich nochmal um«, beklagte er sich einmal wie eine Präsidentengattin, die jeden Morgen vor dem Problem steht, aus 200 Paar Schuhen das richtige für den Tag herauszufinden. »Ich habe zwei Outfits. Meine Waylon-Jennings-Weste mit dem Popel hier, den Waylon mir schenkte, und mein Prediger-Jackett, und jeden Morgen brauche ich den halben gottverdammten Tag, mich zu entscheiden, was ich anziehen soll.«
Darüber hinaus bleibt ihm die Qual der Wahl erspart: schwarze Jeans, schwarze Stiefel, schwarzes Hemd, eine große Gürtelschnalle, schwarzer Stetson und eine von zehn Montechristo No. 2, die Kinky täglich raucht. Mehr würde man in Texas vermutlich als überflüssig ansehen – nicht was die Montechristo, sondern was die Garderobe betrifft –, mehr als diese Grundausstattung wäre ein Luxus, der einen leicht in den Verdacht bringen kann, schwul zu sein, denn der echte Texaner schläft vermutlich sogar in diesen Klamotten. Aber es war nicht allein die traditionelle Kleidung, die Kinky Sympathien einbrachte und damit die 50 000 Unterschriften, die ein Kandidat ohne parteipolitischen Hintergrund einreichen muss, um bei den Wahlen zugelassen zu werden, es war die kauzige Persönlichkeit und die politische Unabhängigkeit, die Kinky verkörpert und die bei den Texanern etwas zum Klingen bringt, das sich schwer beschreiben lässt, das aber in der Weite des Landes und seiner Geschichte begründet und wohl nur nachzuvollziehen ist, wenn man selber das Land durchreist hat. Es hat etwas mit dem »ziellosen Umherziehen« und mit dem »entwurzelten Leben« in ständiger Bewegung zu tun, wie Truman Capote einmal die außergewöhnliche Kultur in Texas beschrieben hat, als noch kein Zaun und keine Eingrenzung das Licht der Sonne brach. Es hat etwas mit der nomadischen Lebensweise zu tun, die der Sesshaftigkeit schon so lange unterlegen ist. In Europa erstreckte sich der Prozess über Jahrtausende, im amerikanischen Westen vollzog er sich innerhalb von ein paar Generationen, und im Westen der Vereinigten Staaten, schreibt Richard Grant in dem äußerst lesenswerten Buch »Ghostriders«, gibt es immer noch »riesige Gebiete außerhalb der Planquadrate von Feldern und Städten, und nomadische Überzeugungen und Verhaltensweisen haben sich als ein atavistisches und mutierendes Element in der herrschenden Kultur erhalten«. Deshalb kann man nicht einfach von Heimatverbundenheit sprechen wie in Deutschland, wo die Enge der Verhältnisse und die schon lange verblasste Erinnerung an eine andere Lebensweise keinen sich öffnenden Horizont mehr zulässt und jenes unangenehme Kleben an der Scholle hervorgebracht hat, jene Engstirnigkeit und Brutalität des Landlebens, von der Adorno sprach.
Es gibt, schreibt Richard Grant, »in der amerikanischen Psyche noch eine ganz andere Vorstellung von Freiheit, die nicht von der politischen Philosophie Europas herstammt. Man könnte sie kurz das Credo der Nomaden nennen: Freiheit ist unmöglich und ein leeres Wort innerhalb der Beschränkungen der sesshaften Gesellschaften; die einzig wahre Freiheit ist die Freiheit, durch das Land zu ziehen, ohne irgend jemandem für irgend etwas verpflichtet zu sein. Man mag das für widerspenstig und anachronistisch, für zum Scheitern verurteilt, überheblich oder naiv halten, aber wenn es eine Überzeugung gibt, dann ist es diese Idee von Freiheit.« Und diese Idee von Freiheit lebt bei den Texanern zumindest als Ahnung und als Sehnsucht weiter und tobte sich auch im unsteten Leben Kinky Friedmans aus, der, als er endlich sesshaft wurde, zehn Jahre in einem ausrangierten grünen Wohnwagen lebte, um seine Bücher zu schreiben.
Kinky wurde 1944 in Chicago geboren, ein Jahr später zogen seine Eltern nach Texas. Über diese Zeit schrieb er: »Ich lebte ein Jahr in Chicago, fand keine Arbeit und zog nach Texas, wo ich seither auch nicht gearbeitet habe.« Er wuchs auf der Echo Hill Ranch auf, ungefähr eineinhalb Stunden westlich von Austin, die seine Eltern 1952 kauften. Sie machten daraus ein Ferienlager für Kinder und einen nicht ganz unwichtigen Treffpunkt für die Juden in Texas. Auf der University of Texas bekam Richard Friedman den Spitznamen »Kinky«, in Anspielung auf seine »jüdische Afro-Frisur«. Kinky machte 1966 seinen Abschluss, ging zum Peace Corps und wurde auf Borneo stationiert. »Ich brachte Kindern das Frisbee-Spielen und einige Hank-Williams-Songs bei«, sagte er. Außer mit Kindern zu spielen und sich mit Erwachsenen zu betrinken schrieb er auch einige der Songs, die ihn später berühmt machten. 1968 endete sein Einsatz auf Borneo, er ging als Songwriter nach Nashville. 1973 war Kinky Friedman dann mit seiner Band »The Texas Jewboys« und der Platte »Sold American« am Start. Kurz danach waren sie in der Grand Ole Opry, der bedeutendsten Radiosendung für Countrymusik in Nashville, Tennessee, und mit »Sold American« kamen sie sogar in die Country-Charts. Bald darauf traten Kinky Friedman and the Texas Jewboys mit Willie Nelson und Waylon Jennings, Jerry Lee Lewis und Billy Joel auf. An einem denkwürdigen Abend sogar mit Timothy Leary, allerdings hätten auf diesem Konzert »alle Anwesenden auf einem anderen Planeten gekocht«. Von Jerry Garcia, Ken Kesey, Abbie Hoffman bis zu Keith Richards und Iggy Pop kamen alle, um sie zu sehen. Bob Dylan lud Kinky Friedman sogar auf seine »Rolling Thunder Revue« ein. Beim ersten Treffen der beiden sang Dylan Kinky zu Ehren »Ride ’Em Jewboy«, was Kinky aber nicht sonderlich beeindruckte: »Erwartest du jetzt etwa, dass ich irgendeinen deiner Songs spiele? Ich kann diese Scheiße nicht singen. Ich bin nicht wie du oder Kristofferson.«
Wenn man sich heute Aufnahmen von avantgardistischen Bands aus den Sechzigern und frühen Siebzigern ansieht, wie zum Beispiel Captain Beefheart, dann sieht man eine unglaublich unterentwickelte Performance. Die Musiker stehen steif und unsicher auf der Bühne herum. Ihre Darbietung ist mitunter unglaublich dilettantisch. Das ist bei Kinky nicht viel anders. Die Show besteht aus einem möglichst schrillen Outfit. Die Flickenjeans und die hellblau getönte Brille bei seinem Live-Auftritt in Austin am 11. November 1975 sind exzentrisch, lagen aber im damaligen Trend. Damals strapazierte man das Nervenkostüm der Zuhörer, die wiederum die Auftritte bewundernswert geduldig über sich ergehen ließen, weil es ihnen zum großen Teil noch um Inhalte ging und darum, sich auf experimentell Neues einzulassen. Bei Kinky war es weniger die Musik als die Texte, die für Aufsehen sorgten, und deshalb hatten die Jewboys – wie ihr Drummer Major Bowles klagte – auch keine Groupies. »Alles, was wir hatten, waren jüdische Soziologie-Professoren, die sich Notizen machten.« Es sind immer die Drummer und die Bassisten, die auf solche Details achten, aber abgesehen davon lockte ihr Konzept der Provokation einfach kein großes Publikum an. »We wanted to shock the world, to a certain degree«, sagte Jewford, mit einer Mischung aus Hank Williams, Bob Wills und Lenny Bruce.
Es lohnt sich, über Lenny Bruce ein paar Worte zu verlieren. Am Anfang war Lenny Bruce, könnte man sagen. Mit ihm begann der ganze Schlamassel, mit ihm begannen die Werte des guten alten Amerika eines John Wayne zu bröckeln. Lenny Bruce hat als Comedian die Amerikaner darüber aufgeklärt, dass sie auch etwas unter der Gürtellinie hatten, er führte das Wort Fuck im amerikanischen Sprachgebrauch ein. Seine Witze waren immer wieder Anlass, ihn vor Gericht zu zerren. Er war »der Komiker der schmutzigen Wörter, der Tabu brechende Gesellschaftskritiker«, der »ganz offen auf seine Jewish­ness verwies. Jiddische Phrasen, Witze und ein Humor im Kamikaze-Stil, dem sogar der Holocaust als Material diente« (Steven Lee Beeber). Lenny Bruce, der später in einem Film von Dustin Hoffman gespielt und verewigt wurde, hat eine ganze Generation beeinflusst, die in den fünfziger und sechziger Jahren aufgewachsen ist, denn in einem ähnlich beklemmenden Klima wie in Deutschland war er die Stimme, die die gesellschaftliche Moral ins Wanken brachte. Bob Dylan hat ihm später die Zeilen gewidmet: »He was the brother that you never had.« Mit Frank Zappa ist er aufgetreten, John Lennon, Nico, R.E.M., Chumbawamba, Nuclear Valdez und Grace Slick ließen sich von ihm zu Songs inspirieren. Lenny Bruce war der kleine dreckige Bastard, der den Amerikanern ihre kleinen dreckigen Geheimnisse verriet und dafür von den Eltern gehasst, von den aufbegehrenden Söhnen und Töchtern geliebt wurde. Er starb 1966 mit 40 Jahren an einer Überdosis Morphium. Lenny Bruce ist auch für Kinky einer der ganz Großen, und deshalb erweist er ihm immer wieder in seinen Krimis Referenz.
Vermutlich gehen auch die Texas Jewboys, die schon mit ihrem Namen offensiv die Antisemiten herausforderten, direkt auf Lenny Bruce zurück. Die in der alten Generation weit verbreitete Neigung, die Antisemiten nicht unnötig zu provozieren, indem man schön die Klappe und sich selbst zurückhält, wie die Fregatte der Zeit, Marion Gräfin Dönhoff, nicht müde wurde zu predigen, ist einer selbstbewussten Haltung gewichen, die die Dummheit der Antisemiten aufs Korn nimmt. Wie in Kinkys vielleicht bekanntestem Song »They ain’t making Jews like Jesus anymore«, in dem ein Redneck-Nerd in einem Bowling-Shirt, der die ganzen alten antisemitischen Klischees aufzählt, etwa dass die Juden Gottes Sohn gekreuzigt hätten, irgendwann eins in die Schnauze kriegt, statt dass man ihm in christlicher Tradition die andere Wange hinhielte. »Well I hit him with every­thing I had/right square between the eyes./I say, ›I’m gonna gitcha, you son of a bitch ya,/for spoutin’ that pack of lies‹.« Ansonsten hat Kinky selbstverständlich nichts gegen Jesus. Er vergleicht sich sogar immer wieder selbst mit ihm: »Wie Jesus hatte ich weder Heim noch Frau noch Arbeit. Und wie Jesus war ich ein klapperdürrer Jude, der durch die Lande zog und Leute nervte. Eigentlich konnte ich mich nicht beklagen.«
In einem anderen gotteslästerlichen Song, »Men’s Room, L.A.«, sitzt Kinky auf dem Klo, hat kein Toilettenpapier, sondern nur ein Bildnis des Herrn, und sagt: »Lord what would you do/If you were me and I were you/Take a Chance, save your pants or your soul?« Das war ziemlich harter Stoff für die bigotten Texaner. Oder ein ironischer Song darüber, dass man keine Drogen nehmen müsse, denn schließlich könne man auch »High on Jesus« werden, ganz zu schweigen von »Proud to be an Asshole from El Paso«. Das waren blasphemische Hits, mit denen die Texas Jewboys bei dem eher konservativen Country-Publikum nicht gut ankamen.
Aber nicht nur bei denen nicht, denn sie teilten nach allen Seiten aus. Die Jewboys wurden in San Francisco von Indianern angegriffen, weil sie sich als solche verkleidet hatten, um einen lustigen kleinen Indianersong zum Besten zu geben: »We are the red man tall and quaint«, also groß und malerisch, wunderlich, kurios, was die Ureinwohner offensichtlich nicht so komisch fanden. Sie wurden von Feministinnen für den Song »Get your bis­cuits in the oven and your buns in the bed« von der Bühne gejagt, ein Song, der Kinky den Titel »männliches Chauvinistenschwein« eintrug. Das war in Buffalo, wo Kinky eine Gruppe randalierender junger Feministinnen mit den Worten »Allright, honey. Why don’t you come up here and lick my salt block!« auf Hundertachtzig brachte. Das musste er nicht zweimal sagen. Der Abgang gestaltete sich ziemlich hektisch, und eine Polizeieskorte musste den Jewboys sogar Geleitschutz aus der Stadt geben. In Denver waren es Schwarze, in Nacog­doches in Texas waren es die Rednecks, die sich von den Jewboys so provoziert fühlten, dass sie sich die Show nicht bis zu Ende ansehen wollten. Aber auch liberale Juden in New York waren not amused und nannten die Jewboys eine »Schande«. Im Troubadour in L.A. kam Rod Stewart mit einer aufgetakelten Schnalle voller L.A.-Glitzer, um Kinky zu sehen. Nach dem dritten oder vierten Song sagte er: »What the bloody hell is this?« und zog beleidigt mit seinem »high-dollar date« wieder ab. Nur in Luckenbach, Texas, »einer kleinen deutschen Geisterstadt, in der sich die Einwohner immer noch ihre Schuhe mit kleinen Nazis zubinden« und wo die »Jukebox alte deutsche Trinklieder und verzerrte wagnerianische Polkas enthielt«, war Kinky ein wenig nervös, als er von der Bühne über »die Krauts« hinwegguckte. »Sie waren groß und freundlich und wippten im Stechschritt zur Musik. Aber bald hörten sie damit auf, ihre Luger zu polieren, schlugen ihre Hacken zusammen und brachen in eine moderate Variante teutonischen Hasenhüpfens aus.« Eine Szene, die gut in Billy Wilders »Eins, zwei, drei« gepasst hätte.
Hier lacht Lenny Bruce zwischen den Zeilen, aber Kinky hat auch einige grandiose poetische Texte geschrieben, wie »Ride ’em Jewboy«, einen Song über den Holocaust, den er selbst in kleinen Spelunken sang, eine »Western interpretation of an Eastern experience«, der die Juden, wie Kinky meinte, verwirrt zurück- und nach einer Identität suchen ließ. Kinky schreckte aber auch vor schmalzigen Liebesliedern wie »Marilyn and Joe« nicht zurück, in dem er den Zuhörern einen Ort versprach, wo Marylin immer noch mit Joe Dimaggio und Romeo mit Julia tanzt und noch ein kleines Stück Gestern in den Augen ist, um den Träumern zu zeigen, dass sie niemals sterben werden.
Kinky allerdings erinnert sich kaum noch an diese Zeit, weil er meistens mit Drogen vollgepumpt war, zuerst mit Speed und später mit Kokain. Die Band brach 1976 nach vier Jahren auseinander, als Jewford nach einem Gig einfach ein anderes Flugzeug bestieg. Die Gruppe war ausgebrannt. Erst 20 Jahre später fanden sie wieder zusammen und gingen sogar auf Tour nach Australien und Europa. Kinky machte mit einer anderen Backgroundband weiter und trat für 6 000 Dollar wöchentlich im Lone Star Club in New York auf, womit er seinen Bedarf an peruanischer Marschverpflegung decken konnte. Aber dann kündigte ihm sein Plattenlabel, und die Show begann zu floppen. Kinky musste sich etwas Neues überlegen. Tom Waits riet seinem Freund, mit den Drogen aufzuhören. Und Kinky hörte auf. Er zog sich nach Texas in einen kleinen Wohnwagen auf der Farm seiner Eltern zurück und schrieb Krimis. Jedes Jahr einen. 17 Stück insgesamt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Text ist die gekürzte und überarbeitete Fassung eines Essays, der als Vorwort zu Kinky Friedmans Kriminalroman »Zehn kleine New Yorker« im September in der Edition Tiamat erscheint.