»Es sind mehr Frauen als Männer«

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat eine Studie anfertigen lassen, um das »Littering«-Verhalten der Großstädter zu erforschen. Die »Jungle World« interviewte die Pressesprecherin der BSR.

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Was wollte die BSR mit dieser Studie eigentlich herausfinden?
Die Studie sollte herausfinden, ob es einen »Litterer-Typ« gibt, auf den man dann vielleicht mit Öffentlichkeitsarbeit zugehen könnte.
Und wer sind die Müllwegwerfer? Und warum machen die das?
Der Grund ist in der Regel Bequemlichkeit. Es schmeißen auch Leute Dinge auf die Straße, obwohl sie nur zwei Meter von einem Papierkorb weg stehen. Die größte Gruppe sind die 21- bis 30jährigen. Und was mich überrascht hat: Es sind mehr Frauen als Männer.
Weil die bequemlicher sind?
Das haben wir nicht erforscht.
Folgt daraus jetzt, dass Frauen Umwelterziehung brauchen?
Nein, wichtig ist, dass genug Papierkörbe da sind und sie auch sichtbar sind. Wir haben öfter die Situation, dass man aus Gründen des Stadtbilds sagt, die knallorangen Dinger fallen so auf, macht sie lieber grau. Das hat aber den Effekt, dass die Leute sie übersehen. Wenn man keine andere Möglichkeit sieht, steckt es der eine in die Tasche, der andere schmeißt’s eben weg.
Sollte auch am Brandenburger Tor ein orangener Eimer hängen?
Naja, der muss ja nicht am Brandenburger Tor hängen, aber wenn man will, dass die Leute ihren Müll nicht auf den Boden werfen, müssen die Papierkörbe sichtbar sein.
Wird dort, wo es dreckig ist, besonders viel Müll weggeworfen?
Da, wo es sehr sauber ist, ist die Hemmschwelle hoch. Da, wo es sehr dreckig ist, da schmeißen die Leute auch nichts hin. Da, wo es leicht verschmutzt ist, da ist die Hemmschwelle offenbar niedrig.
In Neukölln ist es ja dreckiger als etwa in Mitte. Hat die BSR verschiedene Prioritäten bei der Reinigung der Stadtvierteil?
Nein, es gibt verschiedene Reinigungsklassen. Die richten sich nach der Frequentierung, also ob da Geschäfte sind, eine Bushaltestelle, eine Schule etc. Wenn Sie das Gefühl haben, dass es in Neukölln schmutziger ist, hat das vermutlich auch etwas mit den Menschen zu tun, aber in Mitte Unter den Linden wohnt ja auch kaum jemand, da laufen die Touristen lang, und abends um zehn werden die Bürgersteige hochgeklappt, während in Neukölln das Leben ja die ganze Nacht lang tobt. Wenn Sie in Mitte auf den Alexanderplatz gehen, wo eben auch nachts das Leben tobt, dann werden Sie feststellen, dass es da keinen großen Unterschied zu Neukölln gibt.