Nur halb angezogen

Berlin Beatet Bestes Folge 58. Pinups: Wild Thing (1981)

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Egal, wie puristisch man eine Sache auch einmal betrachtet hat, die Zeit verwischt die Erinnerungen und lässt im Rückblick neue Sichtweisen zu. So geht es jedenfalls mir. Ich weiß noch, wie eng ich den Begriff für coole Musik in meiner Teenagerzeit Anfang der Achtziger fasste. Wer das Standardwerk »Verschwende deine Jugend« gelesen oder diese Zeit damals miterlebt hat, weiß, wie bemüht die Protagonisten um Originalität und Unabhängigkeit waren. Mein Wissen über diese Zeit ist trotzdem überlagert von dem, was danach kam. Viele meiner Altersgenossen mögen das anders sehen, aber rein historische Betrachtungen ergeben für mich keinen Sinn. Heute finde ich das meiste gut, was ich früher scheiße fand.
So auch diese Platte der Pinups, die ein unverhohlener Versuch ist, die New-Wave-Welle auszubeuten. Produziert von Peter und Ingeborg Hauke, die in den Siebzigern Krautrockgruppen wie Nektar, Karthago und Krokodil zum Erfolg verhalfen, versuchte man sich jetzt an der neuen Welle. Den Garagenklassiker »Wild Thing« interpretieren die Pinups in einer lustigen Discoversion, die diesem ohnehin sinnfreien, also unzerstörbaren Song allerdings nichts anhaben kann. Die 1980 erschienene LP »New Wave Lover« der Pinups, einer in Los Angeles gecasteten Gruppe von jungen Musikerinnen, enthielt dann Titel wie »Razorblade«, »Neon« und eben ihren Hit »New Wave Lover«.
Mit New Wave hat die Musik der immer spärlich bekleidet auftretenden Pinups zwar gar nichts zu tun, es ist lupenreiner Discosound, aber die vier Frauen waren immerhin so erfolgreich, dass 1981 und 1982 zwei weitere LP von ihnen erschienen sind. Dazu kam 1981 sogar ein Film, in dem sie sich selbst spielten. Regie führte Joel Silberg, der außerdem solche Reißer wie »Meine Mutter der General«, »Marriage Tel Aviv Style« und die HipHop-Exploitationfilme »Rappin’« und »Breakdance« gedreht hat.
Ein kurzer, vielversprechender Clip von »Die Pinups und ein heißer Typ« ist auch auf Youtube zu finden. In voller Länge habe ich diese deutsche Teeniekomödie im Stil von »Heiße Kartoffeln« leider noch nie gesehen, die zotigen Dia­loge klingen aber vielversprechend. Im Clip streitet Susanne mit June, der Sängerin, die in der Badewanne liegt, über den heißen Typ: »Wo warst du?« – »Bei Freddie.« – »Das war sicher ein ganz besonders langer Aufenhalt, so lang wie deine Titten runterhängen!« – »Ich versteh gar nicht, wie er dich bemerkt, mit deinem Bügelbrett!« – »Jetzt pass auf, dass ich dich mit deinen Melonen nicht ertränke, du Hexe!« schreit Susanne, woraufhin sie Jane einen Kaffee ins Badewasser gießt. Den Clip hat übrigens June Lavonne, die in Hamburg und Los Angeles lebt, zusammen mit zwei wei­teren von den Pin­ups, selbst bei Youtube reingestellt. Nachdem ich einen kleinen Artikel in meinem Blog geschrieben hatte, in dem ich die zweifelhafte Qualität dieser »New Wave-Musik« nicht verschwiegen hatte, kommentierte Lavonne ihn mit zwei kurzen, charmanten Worten: »Wink Wink«. Zwinker, zwinker.