Schmutzige Kieselsteine

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Naomi Campbell ist es gewohnt, Geschenke von Fremden zu erhalten. »Das ist völlig normal für mich«, sagte sie vergangene Woche als Zeugin vor dem Special Court for Sierra Leone in Den Haag aus. So wunderte sich das britische Model nicht, als im September 1997 nach einem Dinner im Anwesen des damaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela in Pretoria zwei ihr angeblich Unbekannte an die Zimmertür klopften und ihr Diamanten überreichten. Campbell war zu einer illustren Wohltätigkeitsgesellschaft geladen. Zu Gast bei Mandela war neben dem Jazzmusiker Quincy Jones und der Schauspielerin Mia Farrow auch Charles Taylor.
Der ehemalige Staatschef Liberias muss sich in Den Haag für seine Beteiligung am Bürgerkrieg in Sierra Leone nach 1996 verantworten. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, die Revolutionary United Front (RUF) unterstützt zu haben, die zehntausende Zivilisten tötete. Als Gegenleistung für Waffenlieferungen an die RUF habe Taylor von Zwangsarbeitern abgebaute »Blutdiamanten« aus Sierra Leone erhalten. Taylor behauptet, dass er nie solche Diamanten besessen habe. Wenn die Männer, die Naomi Campbell damals im Hotel besucht haben, von Charles Taylor geschickt wurden, dann wäre zumindest bewiesen, dass der Despot mit Edelsteinen Geschäfte macht. Dann allerdings stünde die Staatsanwaltschaft noch vor der Aufgabe, zu beweisen, dass Taylors Diamanten von der RUF stammen. Auf Fragen über den besagten Abend in Pretoria reagierte das Model wortkarg. Auch in Den Haag sagte sie erst aus, nachdem ihr vom Gericht Haft angedroht worden war. Campbell behauptet, ihr sei nicht bekannt gewesen, wer ihr die Diamanten überreichen ließ. Wirklich gewusst, wer dieser Charles Taylor eigentlich ist, habe sie auch nicht. Mittlerweile hat sie gegoogelt. »Er ist jemand, über den ich im Internet gelesen habe, dass er tausende Menschen getötet haben soll«, erklärte sie vor dem Gericht. Zudem seien ihr die Diamanten verdächtig vorgekommen: »Sie sahen aus wie schmutzige Kieselsteine. Ich bin es gewohnt, Diamanten funkelnd und in einer Schmuckschatulle zu sehen.« Eine andere Version der Geschichte erzählt Mia Farrow. Die Schauspielerin wurde am Montag als Zeugin befragt und sagte, Campbell habe sehr wohl gewusst, dass Taylor ihr die Diamanten geschenkt hatte. Campbell habe ihr dies am nächsten Morgen »sehr aufgeregt« beim Frühstück erzählt.