Unpeinlicher Langhans

Nachdem in den letzten Tagen praktisch jeder, der irgendwie als Achtunsechziger durchgehen könnte – also alt und links ist –, in irgendeiner Fernsehsendung erzählt hatte, was er von Rainer Langhans’ Mitwirkung an der RTL-Trash-Reality-Soap »Ich bin ein Star, holt mich hier raus« hielt (nämlich grob: nix), ist zu vermuten, dass diese Leute sich nun auch täglich um 22.15 Uhr vor dem Fernseher versammeln, um Dschungelcamp zu gucken.
Vielleicht haben sie sich in der ersten Folge auch gleich sehr geschämt, als dem wie ein Paramilitär angezogenen RTL-Ranger, der die Teilnehmer zur Begrüßung anbrüllte, bloß Mathieu Carriere ein wenig Widerstand entgegensetzte und zu wissen verlangte, wer der Wüterich überhaupt sei und in wessen Auftrag er denn so laut herumschreie. Andererseits hat Langhans den Kampf gegen Autoritäten ja auch schon lange aufgegeben, so dass seine ehemaligen Kumpels in dieser Situation vielleicht auch nichts anderes von ihm erwartet haben. Aber isser denn nun peinlich, der Langhans?
Bis Redaktionsschluss kann die Antwort nur lauten: Nö, isser nicht. Er spült Geschirr, absolviert stoisch die ihm gestellten Aufgaben und macht niemanden blöde an, was natürlich zusammengenommen kein abendfüllendes Programm ergibt, aber andauernden Zickenkrieg mit viel Gekeife, Gequietsche und viel gegenseitiger übler Nachrede will man ja eigentlich auch nicht sehen. Leute, die haarige Tierhoden essen und denen dabei Glibber über Lippen und Kinn tropft, im Prinzip auch nicht. Und Ex-Promis nackig schon gar nicht. Trotzdem muss man natürlich hingucken, man könnte womöglich was verpassen, klar.
Vielleicht wird Langhans ja am Ende sogar Dschungel-König, und warum auch nicht, ist ja sowieso alles egal, da drüben in RTL-Land.

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