Back for Guttenberg

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Wer gehofft hatte, hier endlich auf die Vertreter der ominösen 80 Prozent der Bevölkerung zu treffen, die nach wie vor hinter dem zurückgetretenen Verteidigungsminister stehen, wird leider enttäuscht. Für die von der Facebook-Gruppe »Wir wollen Guttenberg zurück« initiierten Solidaritätsveranstaltung hatte auch die monarchohedonistische Front der hedonistischen Internationale mobilisiert – diese offenbar mit mehr Erfolg. Auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor, an dem passenderweise auch die Pferdekutschen für die Stadtrundfahrt auf Kunden warten, skandieren junge Menschen sowie ein menschengroßes Huhn und ein Bär »Monarchie – jetzt oder nie« und halten Plakate hoch mit Aufschriften wie »Dolchstoß-Lammert abtreten«, »Militärputsch jetzt« und »Du hast die Haare schön«. Eine vorbeifahrende Stretchlimousine wird mit Jubel und »Gutti! Gutti!«-Rufen begleitet. »Guttenberg – von Gott gesandt für unser Land«, liest ein Passant seiner Frau vor, »ja, sind die denn völlig übergeschnappt?« Die echten Fans sind erst auf den zweiten Blick erkennbar. Etwas abseits stehen eine kleine Gruppe KaDeWe-Klientel und eine Handvoll BWLer und Juristen. Sie schütteln fassungslos die Köpfe über die Konkurrenzveranstaltung: »Hier darf ja eigentlich jeder seine Meinung sagen, aber solche Leute sollte man abschieben aus Deutschland«, empört sich ein Guttenberg-Fan. Die Ansprache eines smarten jungen Mannes wird vom Bumm-Bumm des Soundsystems übertönt. Er bedankt sich für das zahlreiche Kommen und verschwindet dann auffallend schnell. Die verbliebenen Guttenberg-Fans sind so wenige, dass jeder von ihnen der Presse mindestens zwei Interviews geben muss. »Vielleicht kriegen wir ja die 250 000 mit den Demonstrationen in anderen Städten voll«, versucht ein Fan einen anderen zu trösten. Seine Hoffnung wurde enttäuscht: In einigen Städten mussten die Veranstaltungen mangels Beteiligung abgesagt werden, und außer im bayrischen Guttenberg kam keine Demonstration auf mehr als 400 Teilnehmer.