Gegen den Schmutz

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Als »großer Putzfrauenroman« wird »Rosa gegen den Dreck der Welt« vom Milena-Verlag angekündigt. Wer nun an eine heitere Geschichte aus der Perspektive einer literarisch unterrepräsentierten Spezies denkt, hat sich getäuscht: Nadja Buchers erster Roman ist dann doch eher eine Schauergeschichte. Denn Rosa, die Protagonistin, ist nicht nur Putzfrau, sondern vor allem eine ökologische Fanatikerin, die vom baldigen Untergang der Welt überzeugt ist, ihn sich geradezu herbeisehnt. Gescheitert in ihrer Mission, die Mitmenschen zu umweltbewusstem Verhalten zu erziehen, hat sich Rosa für den Weg der totalen Verweigerung entschieden: ein Leben ohne Chemikalien, CO2-Ausstoß, Konsum, Sex, Vergnügen. Erst mit der mysteriösen neuen Kundin Hatschek, in der Rosa eine Verbündete vermutet, kommt Aufregung in ihren sonst so einsamen wie routinierten Alltag. Dessen Beschreibung liest sich streckenweise zäh, denn die Erzählerin neigt zur endlosen Aufzählung von Marken und Inhaltsstoffen und referiert die CO2-Bilanzen von Produkten. Diese Detailverliebtheit und die Wiederkehr des Immergleichen sind der Spannung eher abträglich. Gequält folgen wir Rosa immer wieder in Betrams Bioladen und zu den Kundinnen, »die Beruf, Familie, Ehe und sich selbst offiziell bestens im Griff« haben. Abgesehen von der Hoffnung auf das Ende der Menschheit, die man angesichts all der ökologischen Schweinereien, die hier offenbart werden, beinahe nachvollziehen kann, finden wir dann Erlösung in Nadja Buchers trockenem, manchmal bösartigen Humor.

Nadja Bucher: Rosa gegen den Dreck der Welt. Milena-Verlag, Wien 2011, 207 Seiten, 16,90 Euro

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