Kloputz-Streik statt Revolution

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Saul Alinsky war ein Prophet des Empowerment und gilt als Vater des Community Organizing. Seine Schriften verstand er als Anleitung insbesondere für schwarze Slumbewohner und mexikanische Landarbeiter, wie man Arbeitskämpfe anzettelt und für die eigenen Interessen einsteht. Der 1909 geborene, im jüdischen Ghetto von Chicago aufgewachsene Alinsky arbeitete als Kriminologe, Soziologe, Archäologe und Gefängnismitarbeiter, verstand sich als Demokrat, Radikaler und Antifaschist. In den USA ist er eine in linken und Gewerkschaftskreisen bekannte Figur. Hillary Clinton schrieb ihre Doktorarbeit über ihn. In Deutschland wurde seine Kampagnenstrategie erst in der letzten Zeit vor allem von gewerkschaftlicher Seite entdeckt. Im Göttinger Kleinverlag Lamuv sind seine politischen Schriften unter dem Titel »Call Me a Radical: Organizing und Empowerment« nun auf Deutsch erschienen.
Ein großer Theoretiker ist Alinsky vielleicht nicht, der Wert seiner Schriften liegt vor allem darin, dass sie den Kampfgeist der Leute befeuern. Bei Alinsky musste es auch nicht immer gleich die Revolution sein. Ein Kloputz-Streik der Reinigungskräfte auf einem Flughafen tat es auch. Einerseits ist seine Strategie des Organizing vor dem Hintergrund der Occupy-Bewegung und des Social Networking ganz aktuell, andererseits sind kreative Streik- und Boykottaktionen in Zeiten von Leiharbeit und prekären Beschäftigungsverhältnissen wenig effektiv.

Saul Alinsky: Call me a radical. Lamuv, Göttingen 2011, 202 Seiten, 9,90 Euro