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Nicht nur in den Redaktionen der bürgerlichen Presse, auch in flachhierarchischen Kollektiven wie der Jungle World gleicht die Verwaltung des eigenen E-Mail-Accounts einer komplizierten Form von Mülltrennung. Monate hat es gedauert, bis es unserem in diesen Dingen sonst unschlagbaren Webmaster gelungen ist, einen großangelegten Spam-Angriff auf unseren Ordner »Briefe« abzuwehren, der die ernst gemeinten Zuschriften in einem Meer von Unrat zu ertränken drohte. Dass auch die ernst gemeinten Zuschriften nicht immer ernst zu nehmen sind, darüber breiten wir den Mantel des Schweigens. Dass wir aber auch jede Menge unerwünschte Elektropost von sogenannten Öffentlichkeitsarbeitern erhalten, soll an dieser Stelle beanstandet werden. Einige Beispiele aus den vergangenen Wochen wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Jüngst erreichte uns die E-Mail einer gewissen Nicola Hieber, die uns über »neue elementare Bodyguards aus dem Hause Bugatti Mobilecases« informierte: »Elements ist der Name der neuen Mobilecases-Produktlinie von Bugatti. Die zwei sich ähnelnden und sich doch unterscheidenden Modelle Patch und Twice vereinen die Elemente Canvas und Leder auf puristisch-legere Art. Der ideale Stilbegleiter für jedes Outfit!« Wir haben den Verdacht, dass es sich bei dem beworbenen Produkt um ein Kleidungsstück handelt, schließen aber auch nicht aus, dass uns mit solch illiterater Emphase ein Sitzpolster oder gleich ein ganzes Auto verkauft werden soll. Wie am Rande des Existenzminimums vor sich hinschreibende Journalisten dafür als Zielgruppe ausgemacht werden konnten, bleibt uns schleierhaft. Eine E-Mail, die uns regelmäßig erreicht, beginnt mit den Worten »Liebe Freunde des Dauercampens«. Diese Woche hieß es darin: »Es wird Zeit, euch noch mal an den bevorstehenden Event zu erinnern. Wir campen vom 27.7.-29.7.2012. Dieses Jahr wieder mit Workshops, Installationen, Kinderspaß, Filmen, Bands, Dancefloors, Performances, Lesungen, Vjs, Deko, Kunst und natürlich Camping. (…) Für Parkplätze ist gesorgt, die Campingwiese liegt neben den Festivalgelände. Baden kann man da auch, aber nicht im Fischteich.« (Alle Fehler im Original.) Wenn wir gewusst hätten, dass unsere distanzierte Sympathie mit der »Occupy«-Bewegung solche Exzesse nach sich zieht, hätten wir uns stärker zurückgehalten. Da lassen wir uns lieber von Verdi über den Warnstreik in der Steintherme von Bad Belzig oder vom Online-Reisebüro »Ab in den Urlaub« über die »Aufrüstung« deutscher Thermalbäder »in Richtung Luxus« informieren. Und bevor wir es vergessen, noch eine Spam-Mail in eigener Sache: Unsere Veranstaltung im »Laidak« mit Ernst Lohoff wurde vorverlegt und findet nun bereits an diesem Donnerstag, dem 26. Juli, um 20 Uhr statt.