American Star Wars

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Ach ja, Amerika. Gibt es überhaupt ein Land – außer Israel –, das weltweit übler beleumundet ist? Wohl kaum. Wenn es um die USA geht, kommen vielen Besserwissern und Dauernörglern die Schmähungen leicht über die Lippen: allesamt brutale, hirnlose Rambos. Übergewichtige Kulturbanausen zudem, die nichts anderes als Waffen und Burger im Kopf haben. Und dann spielen sie sich auch noch in Cowboymanier als Weltsheriff auf. Mischen sich von Südamerika bis nach Vietnam, Irak und Afghanistan ungefragt wie unerwünscht überall ein. Und bigott prüde sind die! Aber gleichzeitig macht die Pornoindustrie bei denen ein dickes Geschäft. Ach ja, Amerika.
Aber um eines werden die USA dann doch so richtig beneidet, auch wenn es deren zahlreiche Gegner ungern zugeben mögen: Hollywood. Denn der Name steht für Glanz und Glamour, Stars und Sternchen, rote Teppiche und rauschende Feste, Schöne und Reiche. Da kann es wenig überraschen, dass sich auch amtierende wie Möchtegern-Präsidenten der USA gerne mit den Größen aus Hollywood sehen lassen. Und im Wahlkampf ist es geradezu ein Muss, möglichst berühmte Schauspieler, Regisseure und andere illustre Vertreter der Unterhaltungsbranche auf seine politische Seite zu ziehen. There’s no business like show business!
Es ist zum Beispiel erst wenige Tage her, da durften wir der Filmlegende Clint Eastwood dabei zusehen, wie sie beim Nominierungsparteitag der Republikaner mit einem leeren Stuhl redete, als säße Barack Obama darauf. Das wirkte, vorsichtig formuliert, skurril. Doch die Delegierten waren begeistert. Auch Leinwandheld Chuck Norris wirbt für Mitt Romney. Und wie! Die erzkonservative Hau-das-Böse-Ikone malte unlängst in einer zweiminütigen Videobotschaft einen Teufel namens Obama an die Wand, warnte vor dessen Wiederwahl, »Sozialismus und noch viel schlimmeren Dingen«.
Und wen bieten die Demokraten in der Wahlkampfschlacht auf? Sie zählen offenkundig die etwas frischeren, die vermeintlich oder tatsächlich weltoffeneren, intellektuelleren Kräfte zu ihren Getreuen. Zum Beispiel Frauenschwarm George Clooney und Männertraum Scarlett Johansson. Der eine ist im besten Alter und steht für das aufgeklärte, engagierte Amerika. Die andere symbolisiert die junge Generation, die über ein soziales Gewissen verfügt und dem Staat beim Ausgleich von gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten eine wichtige Rolle beimisst.
Es treten also an: Chuck Norris und Clint Eastwood gegen Scarlett Johansson und George Clooney. Das alte Amerika gegen das neue. Noch weiß keiner, wer das Rennen machen wird. Aber im Grunde ist die Wahl längst entschieden: Wer könnte schon einer Johansson und einem Clooney widerstehen?