Kritisiert die linke Solidarität mit den Chavisten

Bruder Hugo

Solidarität mit den Chavisten verbietet sich allein schon wegen der Achse Caracas-­Teheran.
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Am Bündnis Venezuelas mit dem iranischen Regime der Holocaust-Leugner dürfte sich nach dem Tod von Hugo Chávez kaum etwas ändern. Sein designierter Nachfolger, Vizepräsident Nicolás Maduro, nahm bereits 2006 gleich zu Beginn seiner Amtszeit als venezolanischer Außenminister an der »3. Internationalen Solidaritätskonferenz für das palästinensische Volk« in Teheran teil. Was das iranische Regime unter »Solidarität mit dem palästinensischen Volk« versteht, ist hinlänglich bekannt: das, wie es der religiöse Führer Ali Chamenei 2012 formulierte, »Herausschneiden« des »Krebsgeschwürs« namens »zionistisches Regime«.

Die Chavistas stehen seit mehreren Jahren an vorderster Front einer Art Solidaritätsbewegung mit den iranischen Machthabern, die nach dem Tod des Caudillo einen landesweiten Trauertag angesetzt haben. Chávez stand zwar nicht für ein Regime, das wie das iranische einem offenen eliminatorischen Antizionismus frönt, aber auch bei den Chavistas spielt der Antisemitismus bis hin zum verstorbenen Präsidenten keine unbedeutende Rolle bei der Formulierung der politischen Vorstellungen. 2006 erklärte der Präsident, es scheine heute so, »als ob eine Minderheit – die Nachkommen derer, die Christus ans Kreuz geschlagen haben – sich den ganzen Wohlstand der Welt genommen haben«. Lange Jahre gehörte der 2003 verstorbene argentinische Antisemit Noberto Ceresole, dessen Gesellschaftsmodell selbst der venezolanische Ex-Vizepräsident Isaias Rodriguez ein »neofaschistisches Konzept« nannte, zu den wichtigsten Beratern des Präsidenten.
Eine andere Bezugsperson der Chavistas ist bis heute der deutsche Sozialwissenschaftler Heinz Dieterich, der mit seinem Buch »Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts« einen alternativen Bestseller gelandet hat. Dieterichs Vorstellung vom Sozialismus ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man keinen Begriff vom Kapital im Sinne der Kritik der politischen Ökonomie entwickelt: Man landet fast zwangsläufig dabei, die unbegriffenen, abstrakten, als bedrohlich wahrgenommenen Elemente der Ökonomie in der Sprache der Antisemiten zu beschreiben. In Dieterichs »Äquivalenzökonomie«, die viel eher in der Tradition von Pierre-Joseph Proudhon als von Karl Marx steht, klingt das dann so: Der Weltmarkt sei »mit den alttestamentarischen Attributen des Gottes Jahve« ausstaffiert, »seiner unbegrenzten sadistischen Brutalität, Gegenwärtigkeit und Allmächtigkeit«.
2004 attackierte Chávez, der Muammar al-Gaddafi und Robert Mugabe zu seinen Freunden zählte, den Oppositionsführer in Venezuela mit den Worten: »Lass Dich nicht von diesen herumziehenden Juden vergiften!« Im Staatsfernsehen erklärte er hinsichtlich der oppositionellen Kräfte, es gebe einige dirigencillos, also kleine Führer oder Führerchen, die herumirrten wie der »herumziehende Jude«.

Der lateinamerikanische »Sozialismus des 21. Jahrhunderts«, der unter Chávez immer stärker die Züge einer durch Ölexporte finanzierten Racket­herrschaft angenommen hat, ist von der Marxschen Kritik so weit entfernt, dass ihm selbst ein islamischer Apokalyptiker wie Mahmoud Ahmadinejad einiges abgewinnen kann. Wohin solche Allianzen noch führen werden, lässt sich heute kaum sagen. Sicher ist nur, dass sie angesichts der gemeinsamen Feindbilder nicht überraschend sind. Chávez eiferte seinem iranischen Freund Ahmadinejad nach, der ihn wiederholt als »Bruder« bezeichnete: Er verglich das Vorgehen des jüdischen Staates gegen die vom Iran aufgebaute, in der EU absurderweise immer noch nicht verbotene Terrormiliz Hizbollah mit dem nationalsozialistischen Massenmord und schmiss 2009 den israelischen Botschafter aus dem Land.
Der bisherige Vizepräsident wird diese Politik wohl fortsetzen. In seinen sieben Jahren als Außenminister war Maduro der Ausbau der Beziehungen mit dem Iran stets ein Herzensanliegen. Während seiner Amtszeit verschaffte Venezuela dem iranischen Regime einen Beobachterstatus im linken Wirtschaftsbündnis Alba, der Iran wurde zum zweitgrößten Investor in dem Land, Hunderte iranische Techniker und Spezialisten kamen nach Caracas und auch die militärische Kooperation wurde intensiviert. Alles deutet darauf hin, dass Venezuela und Iran auch unter den Nachfolgern von Chávez jene »Bruderstaaten« bleiben, als die der Caudillo sie stets gepriesen hatte.
Es ist nachvollziehbar, warum das bedrängte iranische Regime weiter auf das Bündnis mit Venezuela setzt. Dass große Teile der europäischen Linken den lateinamerikanischen Freunden der antisemitischen Schwulenhasser, Misogyniker und Kommunistenmörder im Iran immer noch die Treue halten und das Bündnis der Chavisten mit der Diktatur der Ayatollahs und Revolutionswächter in ihren Trauerbekundungen nicht einmal erwähnen, kann hingegen nur als weiteres Kapitel ihres anhaltenden Verrats an der Aufklärung gesehen werden.